Erste Welt

Die Erste Welt ist eine der stillsten und zugleich eindrucksvollsten Existenzebenen in der Fünften Sphäre. Sie erscheint wie ein vollkommenes Spiegelbild von Tenia – jedoch in einem Zustand, wie die Welt aussähe, als wäre sie niemals Kulturschaffenden bewohnt worden. Erstaunlicherweise ist der Große Kataklysmus auch auf die Erste Welt übergangen, allerdings ohne, dass es hier die ewigen magischen Explosionen am Kältepol beziehungsweise am Hitzepol sowie den Großen Mahlstrom gäbe. Ansonsten existieren Wälder, Gebirge, Meere und Himmel in einer Reinheit, wie sie im Diesseits längst verloren gegangen ist. In der Ersten Welt ist alles, was im Diesseits geformt, bebaut oder verändert worden ist, in seinem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben. Städte erscheinen hier nicht als Ruinen oder Schatten, sondern fehlen vollständig. An ihrer Stelle breiten sich urtümliche Landschaften aus, die von einem sterblichen Kulturschaffenden betreten worden sind. Flüsse folgen ihren ungebändigten Läufen, Wälder wachsen ohne Schneisen oder Wege, und selbst die Luft scheint von einer unberührten Klarheit erfüllt. Die Welt wirkt vertraut und fremd zugleich: Kontinente, Meere und Sternbilder entsprechen denen des Diesseits‘, doch ihr Antlitz ist der älter, wilder und von einer tiefen und ursprünglichen Harmonie durchzogen. Magie manifestiert sich in der Ersten Welt nicht als nutzbare Zauberkraft, sondern als eine natürliche Ordnung. Orte von besonderer Schönheit und Kraft scheinen ein leises Bewusstsein zu besitzen – nicht in Form denkender Wesen, sondern als harmonische Zentren der Existenz.
Die Zeit in der Ersten Welt verläuft anders als im Diesseits. Veränderungen geschehen nur langsam, beinahe ehrfürchtig. Stürme verwüsten keine Wälder, sondern formen sie über Jahrhunderte hinweg. Tiere sterben hier nur selten durch Gewalt, sondern verschwinden still in den Kreislauf von Leben und Tod. Viele Gelehrte vermuten, dass diese Existenzebene nicht nur ein Abbild der Welt ist, sondern eine Blaupause dessen, was war und was hätte sein können.
Obwohl die Erste Welt reich an Flora und Fauna ist, existieren hier keine sterblichen Kulturschaffenden. Keine Reiche wurden hier gegründet, keine Sprache geformt und kein Werkzeug hat je den Boden berührt. Die Tiere wirken hier oft größer, ursprünglicher und von einer stillen Würde erfüllt, als hätten sie nie die Furcht vor den Kulturschaffenden gelernt. Pflanzen wachsen in Formen, die im Diesseits nur noch in Mythen oder fossilen Spuren bekannt sind. Dennoch ist die Erste Welt nicht gänzlich frei von denkenden Wesen: Die Geister der Ersten Welt sind die Wächter dieser unberührten Existenzebene, die sie vor jedem Schaden bewahren und hin und wieder auch eine körperliche Gestalt annehmen. Manche Gelehrte vermuten, dass sämtliche Naturgeister des Diesseits von den Geistern der Ersten Welt abstammen. Manchmal kommen auch Fey aus den Feenwelten hier her, insbesondere solche, die eng mit der Natur verbunden sind – darunter Blütenfeen und Dryaden. Die Geister der Ersten Welt dulden sie, solange sie nicht in die natürlichen Kreisläufe eingreifen oder ihr gar Schaden zufügen. Ebenfalls finden sich hier Tierkönige und Pflanzenkönige, die das Diesseits aus freien Stücken verlassen haben. Gerüchten zufolge werden sie, sollten sie gewaltsam getötet werden, hier wiedergeboren werden.