Sylmea

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Sylmea
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Art
Typ Maritime Spezies
Verbreitung Nördlicher Großer Ozean
Kulturen ?
Verwandte Spezies ?
Merkmale
Lebenserwartung ?
Lebensraum Tiefsee
Größe ?

Die Sylmea sind eines der ältesten und zugleich fremdartigsten kulturschaffenden Spezies der Ozeane. Sie leben in jenen finsteren, kalten Tiefen, in die kaum noch Licht vordringt, an den Rändern des Abyss – jenes bodenlosen Schlunds, der für viele Unterseevölker als Grenze zwischen der belebten und der verdammten Welt gilt. Ihr Leben ist geprägt vom ständigen Kampf gegen die Kreaturen der Tiefe, gegen Schrecken aus Schatten und Zähnen, die selbst in den Mythen der Meerelfen nur flüsternd erwähnt werden. Doch nicht selten werden auch die Sylmea selbst von anderen als solche Schrecken betrachtet: Kolossale Schrecken von urtümlicher Macht und unbegreiflicher Natur.

Ein Sylmea erinnert an eine Mischung aus Pottwal und Riese. Ihr Leib ist gewaltig, massiv, oft zehn bis fünfzehn Schritt lang, mit grauer bis bläulicher Haut, die an manchen Stellen runzelt oder von Narben und Seepocken überzogen ist. Anstelle der vorderen Flossen ragen zwei kräftige Arme hervor, die an die eines gewaltigen Menschen erinnern – muskulös, mit breiten, flossenartigen Händen, die in vier Fingern enden und die genauso gut zum Schwimmen wie zum Greifen und Kämpfen taugen. Der Kopf ist groß und kastenförmig, mit kleinen Augen, die in der Schwärze der Tiefsee leuchten wie matte Sterne. Das Maul ist breit und voller spitzer Zähne, die Fleisch ebenso wie Algen zermalmen können. Ihre Bewegungen sind majestätisch, doch flößt ihre schiere Größe den meisten Kulturschaffenden Furcht ein. Wenn eine Gruppe Sylmea durch ddie Dunkelheit zieht, dann weichen ihnen selbst die größten Rochen und Kraken aus. Trotz ihres furchteinflößenden Äußeren sind sie keine grausamen Jäger, sondern Wächter der Tiefsee. Ihr Zorn gilt nur jenen, die die Ordnung der Tiefe stören – oder den Abyss zu erwecken versuchen.

Die Sylmea leben nicht in Städten oder festen Behausungen. Sie wandern in Gruppen von fünf bis zwanzig Individuen durch die Tiefsee, ähnlich wie echte Wale. Nur einmal im Jahr kehren sie zu uralten Sammelorten zurück, gewaltigen Unterwasserklüften, um Geschichten auszutauschen, Kinder zu zeugen und ihre Rituale zu vollziehen. In und unter diesen Gruppen gibt es keine feste Hierarchie, doch jede Gruppe folgt einer Ältesten, einer besonders großen oder alten Sylmea, deren Gesang die anderen leitet. Die Sylmea kennen keine Schrift, doch sie besitzen eine über Generationen weitergegebene mündliche Tradition, die sie in ihren Gesängen bewahren – eine Sprache aus tiefen und vibrierenden Lauten, die meilenweit durchs Wasser hallen. Weiße Sylmea werden selten geboren und gelten in ihrem Volk als Priester und Seher. Ihre Körper leuchten leicht in der Dunkelheit, und man sagt, dass sie in Trance mit den Geistern der Tiefe sprechen. Sie sind Hüter der Lieder des Ursprungs, uralter Melodien, die die Strömungen und Gezeiten besänftigen können. Die Gruppen selbst bilden große Stämme, die sich nur einmal jährlich treffen. Nur ein Stamm ist in der Überlieferung anderer Unterseevölker bekannt: Der Krakenzahn-Stamm. Seine Mitglieder leben direkt am Abyss, sie gelten als besonders mächtig, zugleich aber auch geheimnisumwoben, da viele glauben, seine Ältesten stünden in direktem Kontakt mit den Göttern des Abgrunds.

Die Sylmea sind ein religiöses Volk, dessen Spiritualität eng mit der Tiefe selbst verbunden ist. Sie verehren uralte Meeresgötter, die sie die Schläfer nennen – Wesen, die tief unten im Abyss ruhen und nur durch Gesang berührt werden dürfen. Anders als viele ihrer Nachbarn sehen die Sylmea den Abyss nicht als reines Übel, sondern als notwendiges Gegenstück zum Leben – als das Herz des Ozeans, das alle Dinge in sich zurückzieht, wenn ihre Zeit gekommen ist. Ihre Rituale sind Gesänge, langgezogene Harmonien aus Schall und Magie. Man sagt, dass der Chor einer Gruppe von Sylmea in der Lage sei, einen Sturm zu beschwichtigen oder ein Monster der Tiefsee in den Schlaf zu singen. Ihre Religion lehrt Gleichgewicht, nicht Gut oder Böse. Darum erscheinen sie oft unberechenbar: Heute retten sie Schiffe vor den Schrecken der Tiefe, morgen zerschmettern sie ein anderes, dessen Ankergrund ein ihnen heiliger Ort ist.

Die Sylmea stehen außerhalb aller Bündnisse. Sie sind weder Feinde noch Verbündete anderer maritimer Kulturen, sie pflegen eine neutrale Haltung. Wenn sie einem Necker oder gar einem Klabauter begegnen, der sich zu nahe an den Abyss verirrt hat, bringen sie ihn an sichere Orte zurück – ohne Worte und Erklärung. Für sie ist jedes Leben ein Teil des großen Liedes, das nicht zu früh enden darf. Bei den Meerelfen und Neckern gelten die Sylmea als ehrwürdige, fast göttliche Wesen; bei den Sirenen und Klabautern dagegen als Feinde, die ihre Schreie mit Gesang ersticken. In alten Chroniken ist von einem Krieg der Tiefe die Rede, in dem die Sylmea einst den Abyss selbst verschlossen haben sollen, um die Mächte der Finsternis zurückzuhalten. Ob es Wahrheit oder Mythos ist, weiß niemand.

Sylmea besitzen eine Form natürlicher, angeborener Magie, die eng mit Klang und Atem verbunden ist. Ihr Gesang kann Druckwellen erzeugen, Wunden heilen oder Angst hervorrufen. Die bleichen Priester sollen in der Lage sein, durch die Träume anderer Wesen zu wandeln und ihnen Visionen von der Tiefe zu senden. Bemerkenswert ist auch ihre Beherrschung des Atems: Sylmea sind Lungenatmer, müssen aber nur einmal im Monat auftauchen, um Luft zu holen. Viele Gelehrte glauben, dass sie den Sauerstoff in ihren Lungen durch uralte Magie regenerieren, eine Fähigkeit, die ihnen das Überleben in Regionen ermöglicht, in denen kaum ein anderes Volk existieren. Im Innersten sind die Sylmea Wächter: Sie betrachten das Meer als lebendigen Organismus, dessen Herzschlag sie hören können. Für sie ist alles Teil des ewigen Zyklus von Strömung, Licht und Dunkelheit. Wenn sie kämpfen, tun sie es nicht aus Hass, sondern aus Notwendigkeit. Wenn sie töten, dann um das Gleichgewicht zu wahren. Wer je die Gelegenheit hatte, den Gesang eines Sylmea zu hören, beschreibt ihn als tieftraurig und wunderschön. Ein Klang, der an den Wind über leeren Ebenen und das Schlagen eines einsamen Herzens in der Finsternis erinnert. Manche sagen, dass selbst der Abyss für einen Augenblick innehält, wenn die Walmenschen singen.

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