Nykar

Nykar ist der geheimnisvollste und zugleich unheilvollste Himmelskörper am Firmament. Einst war er ein vollwertiger Mond, der gemeinsam mit Lunareth und Viridra über den Himmel zog und mit diesen ein Gleichgewicht bildete. Heute existiert Nykar jedoch nur noch als gewaltiges Feld aus schimmernden Trümmern, das wie ein zerfetzter Ring aus bläulichem Gestein durch die Nacht zieht. In klaren Nächten erscheint dieses Trümmerband wie ein blasses, leuchtendes Band aus Splittern, das sich über den Himmel spannt.
Die Bruchstücke Nykars reflektieren das Licht Lunareths und Viridras und erzeugen dabei ein schwaches blaues und silbriges Funkeln, das sich beständig verändert. Manche Fragmente sind kaum größer als Felsbrocken, andere hingegen sind so gewaltig wie Berge. Sternenkundige nennen die größten Überreste Kronensplitter, da sie in einer losen Formation stehen, die aus der Ferne an eine zerbrochene Krone erinnern.
Wie Nykar vor vielen Äonen zerbrach, gilt als eines der größten Rätsel der Geschichte von Tenia. Die wenigen Wesen, die in jener Zeit schon am Leben waren, schweigen sich beharrlich darüber aus – denkbar ist, dass Nykar während des Ersten Götterkrieges zum Kriegsschauplatz wurde und dabei zerstört worden ist. Düstere Geschichten der Vielbeinigen sprechen davon, dass die Götter nur deshalb zu entrückten Gottheiten geworden sind, weil sie sich einer Macht innerhalb des Mondes bedienten. Andere Legenden schreiben hingegen Viridra eine Verantwortung zu, weshalb dieser Mond heute keine feste Laufbahn mehr besitzt. Was auch immer vor so langer Zeit geschah – die Narben dieser Ereignisse sind noch heute deutlich sichtbar.
Gelehrte haben beobachtet, dass sich das Trümmerfeld langsam entlang einer gemeinsamen Bahn bewegt. In manchen Nächten scheinen die Bruchstücke dichter beieinander zu stehen, während sie zu andere Zeiten weit verstreut und fast unsichtbar erscheinen. Gelegentlich lösen sich kleine Fragmente und verglühen auf ihrem Weg nach Tenia als Sternschnuppen – ein Schauspiel, das vielerorts als Omen gedeutet wird.
In der Mythologie gilt Nykar oft als Symbol für Hochmut und Untergang. Während Lunareth für Ordnung und Viridra für Wandel steht, erinnert Nykar die Völker der Sterblichen daran, dass selbst die größten Himmelskörper zerbrechen können. Manche Kulturen nennen das himmlische Trümmerfeld auch die Narben des Himmels. Doch Nykar wird nicht nur mit Furcht betrachtet: Einige Mystiker glauben, dass seine Splitter eine besondere Verbindung zur Magie besitzen. In alten Legenden ist sogar von Fragmenten die Rede, die zu Monolithen verarbeitet wurden und als sogenannte Himmelssteine außergewöhnliche Kräfte besitzen sollen.