Königreich Hroa

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Königreich Hroa

Stammeslande der Hroa | Hrôvann | Draskhroa | Barbarenkönigreich Hroa

Das Königreich der Hroa führt kleine Flagge
Emblem der Hroa
Emblem der Hroa
Flagge Emblem
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Karte
Staatliche Merkmale
Amtssprache Südwestliches Vraknarsk
Hauptstadt Keine, inoffiziell: Hrôskeld
Staatsform Stammesterritorien
Oberhaupt /
Status Unabhängig
Währung Tauschhandel
Handelswaren Pelze, Trockenfisch, Trockenfleisch, Kriegsbeute
Daten
Einwohner Hroa, Andere
Gründung ?
Gründer ?
Zugehörigkeit
Geographisch Mittlere Helchanar
Politisch Unabhängig

Das Königreich Hroa – manchmal auch Stammeslande der Hroa genannt, sie selbst bezeichnen ihr Land als Hrôvann und Draskhroa, während ennorische Gelehrte es abwertend als Barbarenkönigreich Hroa nennen – ist eines der drei Königreiche der Vraknarvölker im Hohen Norden, und von diesen ist es das größte und kulturell diverseste. Allerdings ist es auch das technologisch rückständigste und zerstrittenste, einen König gab es hier schon sehr lange nicht mehr.

Geschichte

Auch wenn die Stammeslande der Hroa bereits sehr alt sind und eines der größten Länder im Hohen Norden darstellen, spielen sie doch in der Geschichte der Region nie eine größere Rolle. Das erste und einzige Mal taucht ihr Volk in den ennorischen Geschichtsbüchern auf, als sich einige Stammeskrieger im Jahr 514 vAF dem Feldzug von Kuraz As’tiro anschlossen. Die Chronisten des Alten Reiches berichten von einer Schar primitiver Stammeskrieger, die mit Keulen und Steinäxten bewaffnet über Vorräte und Eisenwaren herfielen. Zwar hatten sie kaum einen Anteil an den größeren Schlachten im Barbarenkrieg des Kuraz, doch lösten sie sich lange vor Kriegsende von den Heeren und bildeten plündernde Banden, die noch lange nach Kuraz‘ vernichtender Niederlage 501 vAF ein Ärgernis für das Alte Reich blieben.

Die Hroa selbst haben diese lange zurückliegenden Ereignisse längst vergessen, und aufgrund der mangelnden schriftlichen Aufzeichnung wird ihre Geschichte größtenteils durch mündlich vorgetragene Lieder überliefert. Die ältesten Lieder der Hroa sprechen davon, dass ihre Ahnen aus dem Norden gekommen waren, einem Ort, der im kollektiven Gedächtnis nur als das die Weiße Weite ohne Himmel bekannt ist. Ob sie damit das Ewige Eis jenseits des Weltendachs meinen und ob dies bedeutet, dass sie den Weg aus Beleagand auf dem Landweg beschritten haben, ist unklar. Die Lieder jedenfalls berichten, dass ein unnatürlich langer Winter sie von dort vertrieben habe, ein Winter, in dem Gletscher brachen, das Meer gefror und das Wild verschwand. In langen Märschen zogen sie auf der Spur der Herden nach Süden, bis sie ihre heutige Heimat erreichten. Zwar begannen sich in jener Zeit erste Unterschiede zwischen den Stämmen zu manifestieren, doch gab es keine festen Grenzen, Thingplätze oder Könige. Man vermutet, dass der Große Zug aus dem Weiß sich etwa zwischen 850 und 650 vAF zugetragen habe. In der Folgezeit etablierten sie sich in ihren neuen Landen, die Sommer wurden länger und die Stämme begannen, dauerhaft zu siedeln. Diese Epoche war eine Zeit der Identitätsbildung, Dialekte entwickelten sich und Rituale verfestigten sich. Die Hroa begannen in dieser Zeit, sich selbst als „Hroa“ zu bezeichnen – ein uraltes Wort, das sich vermutlich mit „die Ausharrenden“ übersetzen lässt. Doch mit der Sesshaftigkeit kam Besitzdenken, und erstmals wurden Grenzen markiert und Ansprüche kundgetan.

Die Zeit der Wurzeln, wie sie bezeichnet wird, hat etwa von 650 bis 400 vAF gedauert. Die Bevölkerung begann in jener Zeit stark zu wachsen, was zur Folge hatte, dass die Nahrung in den harten Wintern immer knapper wurde und erste große Blutfehden ihren Lauf nahmen. Besonders bekannt ist heute noch der Krieg der Drei Furten am Skeldrunn, an dem sich die südlichen Sippen von Sûdhrôa gegen die Vargfotr verteidigten. Letzte begannen erstmals Boote zu bauen und erste große Raubzüge entlang fremder Küsten zu unternehmen, womit bessere Waffen ins Land kamen. Die Karnhûld reagierten dagegen mit Abschottung, in dem sie ihre Bergpässe befestigten und einige Hochladen zu heiligen Zonen erklärten.

Die Epoche der Fehden der jungen Stämme dauerten von 650 bis 200 vAF, wobei sich in dieser Zeit ein gefährliches Muster etablierte, nach dem Stolz den Überlebensinstinkt übertrumpfte. Ab 197 vAF traf eine Serie extrem harter Winter die Hroa. Drei Jahre hinweg blieben die Sommer kaum wahrnehmbar, das Wild verließ das Land und die Flüsse gefroren bis zu ihrem Grund. Der Hunger führte zu offenen Stammeskriegen, ganze Gemeinschaften wurden in jener Zeit ausgelöscht. Nachdem sich das Klima wieder beruhigt zu haben schien und sich auch die politische Lage beruhigte, kehrte nach vierzehn Jahren die Serie der harten Winter zurück, und diesmal blieben sie für eine längere Zeit. Fort an wechselten sich einige Jahren mit milderen Wintern mit längeren Phasen sehr harter Winter ab, was zu zahlreichen Verwerfungen im Stammesland der Hroa führte. So verteidigten die Mýrkdrann ihre Sümpfe gegen Siedler aus dem Süden, während die Skarnrîs weit nach Westen zogen und mit mehreren Stämmen aneinandergerieten.

In der Zeit der Blutwinter (200 vAF – 103 AF) wurden die ersten Runensteine aufgestellt, welche vornehmlich von Verlusten sprachen und die Leser an die Götter und Geister mahnten. Allerdings tauchte auch in dieser Zeit das erste Mal die Idee eines übergeordneten Anführers auf eines Königs, der nicht aus Erbe, sondern aus der Not geboren wird. In einem besonders düsteren Winter rief ein Anführer der Sippen in Sûdhrôa namens Drôvakar Steinwort zu einem großen Thing an einem alten Steinkreis, an dem sich heute Hrôskeld befindet.  Er argumentierte, dass die Hroa sich selbst vernichteten, während der Phasen harter Winter. Seine Rede soll drei Tage gedauert haben – und schließlich wurde er zum ersten König gewählt. Unter seiner Führung wurden die Jagdreviere neu abgesteckt, ein gemeinsamer Kriegszug gegen polarnomadische Eindringlinge am Sikuinnaq beschlossen und erste Bündnisse zwischen den Stämmen geschmiedet. Drôvakar herrschte von 103 bis 119 AF, und nach seinem Tod zerfiel die Einheit der Stämme rasch. Dennoch blieb die Idee aus der Herrschaft des Ersten Königs bis heute bestehen: In äußerster Not können die Hroa eins sein.

Nach 119 AF erlebten die Vargfotr eine Blütezeit, ihre Boote wurden besser und ihre Reichweite wuchs. Einige Sippen begannen, Küstensiedlungen im nördlichen Fjordland und im Nebelland zu überfallen. Mit ihnen kamen neue Einflüsse wie fremde Metalle, Geschichten und Ideen in ihre Heimat. Gleichzeitig verstärkten sich die Spannungen zwischen den Vargfotr und den übrigen Stämmen, insbesondere die Karnhûld warnten vor dem „Winddenken“, einer Mentalität, die Traditionen und althergebrachte Bindungen löse. Die Ära der Küstenstürme dauerte von 119 AF bis 526 AF. Im Jahr 526 AF begann ein weiterer extremer Klimazyklus, in dem sich der Gletscher von Vetrhjarta bildete und seither viele Meilen von Ismôrann zwischen Gebirge und Küste bedeckt. Viele Skarnrîs zogen in jenen Jahren nach Süden. Überall in Hroa eskalierten die Konflikte um Nahrung, hauptsächlich im Binnenland. 602 AF wurde schließlich Karnvald Hrôskarnsson in Hrôskeld zum König gewählt, und anders als Drôvakar setzte er auf Disziplin und strikte Verteilung. Unter seiner Führung entstand ein ungeschriebenes Gesetz: Kein Stamm verweigert einem anderen in einem Hungerwinter die Nahrung, die er entbehren kann. Dieses Gesetz gilt bis heute als heilig. Auch koordinierte König Karnvald Hrôskarnsson die Kämpfe gegen die Eisriesen und die Hügelriesen, die in jenen Jahren hier umgingen. Die Ära des Frostkrieges dauerte von 526 bis 753 AF.

Ab 753 AF brachten mildere Jahrzehnte eine selten gekannte Stabilität, in der zahlreiche Runensteine gesetzt und die Stammesgeschichte erstmals systematisch festgehalten wurde. Die Rûnmôrr gewannen erheblichen kulturellen Einfluss, ihre Seherin wurden überall in Hroa konsultiert. Die Runenzeit dauerte von 754 bis 961 AF und war eine Zeit relativen Friedens, doch eine Zeit wachsender Ambitionen.

Ein harter einzelner Winter führte 962 AF dazu, dass zwei Könige ausgewählt wurden: König Vargdôt Heulwind war ein junger und charismatischer Seefahrer, der neue Plünderzüge und ein ebenso starkes wie offensives Hroa versprach. Die Vargfotr riefen ihn eigenständig zum König aus. Die übrigen Stämme riefen als Reaktion den ältere, redegewandten und klugen Hrôthgar Steinmund aus Sûdhrôa zum König aus, der auf Stabilität und nicht auf Expansion setzte. Ab 964 AF waren die Hroa dann endgültig gespalten, es tobten Schlachten am Skeldrunn und entlang der Küsten, und jeder Versuch der Vermittlung wurde im Keim erstickt. Im Winter des Jahres 967 AF starb zunächst König Hrôthgar Steinmund in der Schlacht, während sich gegen Ende desselben Winters 968 AF König Vargdôt Heulwind im Skeldrunn ertrank. Die Stämme zogen sich in der Folge erschöpft zurück, und seither gilt es als Tabu, ohne breite Zustimmung der Stämme einen König auszurufen. Die Krieg der Geteilten Hörner von 964 bis 968 AF gilt seither als Mahnung für alle ambitionierten Anführer.

Die Zeit zwischen 968 AF und heute ist eine Zeit ohne König, und sie den Sängern und Runensteinen als Gegenwärtige Stille bekannt. Die Schamanen und Seher sehen in dieser Zeit den Anbruch einer neuen Epoche, denn die Zeichen sprechen eindeutig von Veränderung: Der Gletscher von Vetrhjarta wächst erneut deutlich, die Skarnrîs sprechen von seltsamen Geräuschen aus dem Eis, die Rûnmôrr deuten veränderte Träume und in den Sümpfen der Mýrkdrann steigen ungewöhnliche Nebel auf. Die Schamanen und viele Älteste sprechen von einem neuen Zyklus, der ihr Volk erwartet. Die Stammeslande der Hroa grenzen im Uhrzeigersinn an das Westliche Polarmeer, die Cituqayatundra und das Wintermeer.

Geographie

Landschaft in Hroa
Landschaft in Hroa

Das Königreich Hroa liegt im Westen der Mittleren Helchanar und ist nach der Cituqayatundra das größte zusammenhängende Gebiet in dieser Region. Für diejenigen mittelreichischen Entdecker, welche den Hohen Norden kartographierten, liegt Hroa auf einer namenlosen Halbinsel zwischen der Liathmarabucht im Osten und der Sikuinnaqbucht, deren Nordostgrenze vom breiten Strom des Sikuinnaq definiert wird. Die nördliche Grenze der Stammeslande der Hroa wird – von einer Enge zwischen Flussufer und der Westküste der Liathmarabucht abgesehen – weitestgehend durch den breiten Fluss des Sikuinnaq markiert, welcher die meiste Zeit des Jahres eher gemächlich dahinströmt. In seinem Kiesbett finden sich sowohl gediegenes Gold als auch Edelsteine und Bernstein, was ihn bei Goldwäschern zu einem beliebten Ziel macht. Mit seinen Nebenflüssen stellt der Sikuinnaq den wichtigsten Verkehrsweg durch die Cituqayatundra dar, da er beinahe die gesamte Region durchquert und so gut wie nie ganzjährig gefriert. Einzig während der Schneeschmelze, während der er zeitweise zu einem reißenden Strom anschwillt, und während des tiefsten Winters, während dem große Eisschollen den Fluss hinabtreiben, birgt er eine große Gefahr. Bevor er schließlich in die Sikuinnaqbucht mündet, fächert er sich zu einem weitläufigen Delta auf und speist mit seinem bislang sehr klaren Wasser die nebelverhangenen und unwegsamen Sümpfe des Sikuinnaq. Der Hauptarm des Sikuinnaq bildet auch hier die Grenze zur Tundra. Auch wenn das Wetter hier vergleichsweise mild ist, es im Sommer nahezu schwül werden kann und die Sumpfwiesen im Frühling und im Sommer eine blühende Schönheit darstellen, täuscht das doch nicht über den modernden Gestank hinweg, den die Wärme hier hervorbringt. Nur wenige Bäume können hier gedeihen, stattdessen ragen viele Sträucher und Büsche hüfthoch aus den Sümpfen hervor. Im Südwesten liegt der Trollberg, der eine besondere kulturelle Bedeutung für die Haugatrolle besitzt und einem ihrer Stämme eine Heimat bietet. Mehrmals im Jahr versammeln sich alle Haugatrolle der Region hier und feiern große Gelage, gleichzeitig halten sie den größten Teil von Hroa von niederen Trollen frei. Die Wachenden Steine sind eine Formation von gut zweidutzend Monolithen, die über die gesamten Sümpfe verteilt sind und zwischen zwei und zehn Schritt in den Himmel ragen. Sie sind mit elfischen Runen bedeckt, die im Sternenlicht schimmern, während sie bei einer Sonnenfinsternis in unheimlichen grünen Licht flackern. Die Wachenden Steine sind ein Relikt aus der Zeit vor dem Großen Kataklysmus. Der Rote Bau ist ein Tagebau am Ostrand der Sümpfe, an dem die Mýrkdrann bescheidene Mengen von Eisen und Kupfer abbauen. Früher einmal haben hier auch Prospektoren der Nordzwerge gegraben, diese sind jedoch lange vor Ankunft der Hroa weitergezogen. Geschützt wird der Rote Bau von einer namenlosen Burg der Zwerge, in welche sich die Bergleute bei Gefahr zurückziehen. Das bogenförmige Hrôskarngebirge liegt inmitten von Hroa und teilt das Land in eine West- und eine Osthälfte. Während der Bogen sich an seiner Außenseite durch unvermittelt abfallende Felswände, tiefe Schluchten und steile Anstiege kennzeichnet, ist seine Innenseite durch ein sanftes Hügelland geprägt. Durch das Gebirge führen nur wenige Pässe und sichere Wege, und selbst diese werden entweder von gefährlichen Kreaturen bewohnt oder von den Karnhûld aufmerksam gehütet. Vage Gerüchte sprechen jedoch von einer Hochebene, die von allen Seiten von Bergen geschützt und durch heiße Quellen derart gewärmt wird, dass sich hier ein blühender Wald entwickeln konnte. Viel mehr ist nicht über das Sonungrtal bekannt, außer dass hier angeblich die Karnhûld mit Huldretrollen friedlich Seite an Seite leben. Knapp vor dem Tal des Bogens, welcher das Hrôskarngebirge beschreibt, liegt der Hort von Grimmynth, eines uralten und mächtigen Walddrachen. Einer Legende zufolge hütet er einen magischen Schatz, die ihm die Elfen überlassen haben, bevor sie diese Region verlassen haben. Inzwischen hat Grimmynth ein bescheidenes Gefolge von zwei Hügelriesen und drei kleinen Stämmen der Schneegoblins um sich geschart, über die er wie ein König herrscht und die ihm die lästige Pflicht des Jagens abnehmen, auch wenn die Karnhûld der Region im Tribute leisten. Im Westen des Hrôskarngebirges liegt der gigantische Gletscher von Vetrhjarta, der sich inzwischen vom Gebirge bis zur Küste des Westlichen Polarmeeres erstreckt. Er entstand erst im ersten Jahrhundert nach dem Fall von Antavia, doch sind eine Ursprünge rätselhaft und sicherlich nicht natürlich. Das Eis ist von tausenden Höhlen durchzogen, die ein ebenso unübersichtliches wie tödliches Labyrinth bilden, auch wenn in den tiefsten Kavernen reichhaltige Vorkommen von Edelmetallen und Edelsteinen locken. Manchmal spülen Wildbäche und die Sommerschmelze antike Werkzeuge und Relikte einer längst vergessenen insektoiden Zivilisation aus der Zeit vor dem Großen Kataklysmus zutage, für die Gelehrte in Ennor und Xian ein Vermögen zu zahlen bereit wären. Der Windberg ist ein einsamer und windumtoster Berg, der geologisch zum Hrôskarngebirge gehört, sich jedoch mehrere Meilen nördlich von diesem befindet. Die Skarnrîs glauben, dass er vom Gletscher vom Rest des Gebirges getrennt wurde. In den Riten ihrer Schamanen spielt er eine große Rolle, denn als Höhepunkt der Meisterprüfung muss ein jeder Schamane allein an seinen Hängen meditieren. Viele Lehrlinge kommen von dieser Prüfung nicht zurück. Insgesamt ist der Gletscher von Vetrhjarta ein gefährlicher Ort, denn neben Schneestürmen und der schneidenden Kälte ist der das Jagdgebiet von Eisdrachen, Frostwürmern, Hrimwölfen und dem ein oder anderen Eisriesen, den es inzwischen hierhin verschlagen hat. Auch Schneetrolle und Yhetis sollen sich hier finden. Im Westen des Gletschers wächst dieser inzwischen auch in den Isdranfjord hinein, und es scheint nur eine Frage der Zeit, bis er vom Gletscher verschlungen wird. Nördlich des Fjords liegt im Westlichen Polarmeer die mittelgroße Insel Iskarnes, deren Betreten schon seit Jahrhunderten mit einem Tabu belegt ist. Sie ist stets von Nebelbänken umgeben, und aus der Ferne kann man die Überreste elfischer Ruinen erkennen, die weite Teile der Insel bedecken. Das Tabu liegt allerdings an den hier hausenden Kannibalen, die sich während des Blutwinters von den restlichen Hroa abspalteten. Das Land östlich des Gletschers ist als Ismôrann bekannt und seit der Entstehung eben jener Grenze eine gefrorene Tundra, die bis an den Rand der Sümpfe des Sikuinnaq reicht. Sowohl durch Ismôdrann als auch den südlich angrenzenden Môrdimmrwald fließt der Drônhjart, der über den Hrôdrannfjord ins Westliche Polarmeer mündet. Der im südlichen Hrôskarngebirge entspringende Fluss spielt eine große Rolle bei der Versorgung sowohl der Skarnrîs als auch der Rûnmôrr, denn die sowohl im Frühjahr als auch im Herbst stattfindende Wanderung der Lachse treibt Unmengen dieser Fische aus dem Meer in den Fluss, wo sich die Menschen, die Schneegoblins und die Natur an ihnen gütlich tun. Im Bogen des Hrôskarngebirges liegt der dichte und urtümliche Môrdimmrwald, dessen dunkelgrüne Weiten wie ein Meer aus Nadelbäumen wirkt. Bizarre Felsnadeln, tiefe Schluchten und einsame Findlinge prägen dieses Waldgebiet, auch so mancher Hinweis auf vulkanische Aktivität wie Geysire und heiße Quellen findet sich hier. Erst zu seinen Rändern im Norden und im Nordosten hin wird der Môrdimmrwald freundlicher, sodass sich auch Angehörige anderer Stämme hierhin wagen. Grundsätzlich präsentiert sicher sich als typischer Nadelwald des Hohen Nordens mit uralten Nadelbäumen, lichtem Unterholz und widerstandsfähigen Kräutern und Farnen. Im Sommer kann man sich hier fast vollständig durch Pilze und Beeren ernährend, während man sich im Winter auf Flechten und Moose beschränkt, wenn auch das Jagdwild knapp wird. Feen und Naturgeister sind hier recht häufig, und alle paar Meilen findet man ein mehr oder weniger gut verstecktes Feentor. Im westlichen Môrdimmrwald finden sich die Ruinen von Nimgauragr, einer großen Stadt mit einem Tempel aus schwarzem Gestein. Niemand kennt das Schicksal der Stadt oder ihrer Bewohner, jedoch gehen deren Seelen in den Ruinen in der Umgebung dieses Tempes um. In den Randbezirken hat sich inzwischen ein Stamm der Schneegoblins niedergelassen, welche jedoch die inneren Ruinen strikt meiden. Auf einem kahlen Hügel inmitten einer Lichtung befindet sich ein großer Monolith, gezeichnet von unzähligen Runen der Hroa und solchen, die noch viel älter sind. Vor diesem als Schamanenstein bezeichneten Monolithen befindet sich ein steinerner Tisch mit einer runden Vertiefung, deren genauer Zweck selbst den Rûnmôrr ein Rätsel ist. Hier versammeln sich einmal im Jahr die Schamanen der einzelnen Sippen, die gemeinsam die Zeichen für das kommende Jahr deuten, sich austauschen und gemeinsam feiern. Auch werden bei diesen Treffen neue Schüler feierlich in den Kreis der Schamanen aufgenommen und die Nachfolger ihrer Meister als solche begrüßt. Angeblich besuchen auch die Schamaninnen der Schneegoblins den Schamanenstein, was von den menschlichen Schamanen gern toleriert wird. Auch wenn kaum einer davon weiß, befindet sich in der Nähe des Schamanensteins die Bildaschlucht – eine von zahlreichen schroffen Schluchten, deren Grund kaum je das Sonnenlicht sieht. Der Riss im Waldboden beinhaltet eine große Siedlung der Schneegoblins, die erstaunlich menschenähnlich wirkt. Man findet hier einen kleinen Markt, eine Befestigung und sogar eine Taverne. Fremde werden hier in der Regel freundlich begrüßt und bewirtet, selbst wenn es sich dabei um Menschen oder Waldschratte handelt. Das Eiskieferntal ist ein unirdischer Ort im Môrdimmrwald, den selbst die mächtigsten Waldbewohner zu betreten scheuen. Hier ist alles mit einer dicken Schicht klaren Eises überzogen, und jeder unachtsame Wanderer gefriert binnen Minuten, wenn er sich nicht mit mächtiger Magie schützt. Angeblich haben die Rûnmôrr hier eine Königin der Ragana verbrannt, die mit ihrem letzten Atemzug das Tal verfluchte. Das Herz des Waldes liegt im Mittelpunkt des Môrdimmrwalds und präsentiert sich als eine kreisrunde, von großen Mammutbäumen gesäumte Lichtung. In ihrem Herzen liegt ein klarer und kreisrunder Teich, in dessen Wassern ein Kundiger einen Blick in die Zukunft erhaschen kann. Das Herz des Waldes ist ein großer Übergang in die Feenwelten und wird von der mächtigen Dryade Myaslanye beschützt. Der Aynariusschrein ist der Überrest eines Tempels der Hochelfen, den diese über einer unterirdischen Kammer errichtet haben, die von den Statuen von vier Elfenkönigen versiegelt wurde. Angeblich weiß niemand, was darin aufbewahrten – oder einsperrten. Das Tal des Lachenden Arnlaug wird, wie sein Name schon verrät, vom Lachenden Arnlaug und seiner Großfamilie bewohnt. Allerdings sollte man sich von diesem Namen nicht täuschen lassen und einen freundlichen Ort erwarten – Arnlaug und seine Sippe sind ausgestoßene Kannibalen. Eines der erstaunlichsten Phänomene des Môrdimmrwaldes ist jedoch sicherlich Hinvin, die Stadt der Feen. Es handelt sich hierbei um eine kleine Stadt, die von sprechenden Tieren, Naturgeistern, Kobolden und zahlreichen Feen bewohnt wird. Sie erscheint ausschließlich in Vollmondnächten an wechselnden Orten im Wald, wo sie Wanderer mit ihrem unirdischen Licht und einem überaus freundlichen Empfang lockt, nur um zum nächsten Vollmond an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Verpasst ein Wanderer den richtigen Zeitpunkt, sich zu verabschieden, findet er sich erst beim erneuten Auftauchen der Stadt an dem Ort, an dem er sie betreten hat, wieder. Manchmal können so Jahrzehnte bis Jahrhunderte vergehen, die der Wanderer dann verliert. Östlich der Hrôskarngebirges liegt zwischen dem Kjarnvetr im Süden und dem Sikuinnaq im Norden die Kjarnmark. Dieses schmale Land zwischen den schroffen Graten des Gebirges und der nicht minder schroffen Küste zum Wintermeer beziehungsweise zur Skjoralbucht und zur Liathmarabucht im Norden ist steinig und nur wenig ergiebig, weshalb die meisten Menschen an den Flussufern und der Küste leben. Gerade die Vôrneshalbinsel im Nordosten des Landes ist verhältnismäßig dicht besiedelt. Im Süden der Kjarnmark liegen Ruinen von Folkadalsa, einer verlassenen Hafenstadt, die dereinst sicherlich zu den bedeutendsten und größten Siedlungen in ganz Hroa gehörte. Die Stadt wurde während der Herrschaft des Ersten Königs fluchtartig verlassen, warum ist heute völlig in Vergessenheit geraten. Besucher berichten, dass hier eine unangenehme Präsenz zu spüren ist, und diejenigen, die sich hier länger aufhalten, unter grippeartigen Symptomen leiden. Südlich des Bogens des Hrôskarngebirges liegt die Region Sûdhrôa zwischen dem Kjarnvetr samt seines Nebenflusses Drasklev im Osten und dem Skeldrunn im Westen. Sûdhrôa wird weitestgehend von Ebenen geprägt, die dank des Schutzes des Gebirges und des Einflusses des Wintermeers über ein recht mildes Klima und vergleichsweise fruchtbare Böden verfügt. Sûdhrôa ist die Kornkammer des gesamten Königreichs und verfügt außerdem über zahlreiche Inseln, die vorwiegend von Fischern bewohnt werden. Das westliche Drittel der Küste grenzt an die Bucht von Môrvik, welche immer wieder von Seedrachen heimgesucht wird. Im Süden der Bucht kann man bei ruhigem Gewässer unter der Wasseroberfläche die Ruinen einer elfischen Stadt erkennen, die noch in der Zeit vor dem Großen Kataklysmus stammen. Ihr Name ist längst vergessen, die Einheimischen nennen sie die Versunkene Stadt und meiden sie abergläubisch. In gerader Linie südlich der Ruinen liegt in den Tiefen des Wintermeers verborgen ein Walfriedhof, an dem sich die gewaltigsten aller Wale zum Sterben versammeln. Auch wenn es unter den Hroa fast aller Stämme einige Walfänger gibt und deren Speck, Tran, Fleisch und Knochen einen bedeutenden Teil ihres Überlebens darstellen, so gelten angespülte Walkadaver und -knochen doch als heilig. Sie werden meist nach Art des heimischen Stammes bestattet und mit Respekt und Ehrfurcht behandelt. Die Bucht von Môrvik fächert im Norden in zwei kleinere Buchten auf, namentlich die westliche Skarnbucht, in die der Skarnflod mündet, der Sûdhrôa in eine Ost- und eine Westhälfte teilt, und die Drôskbucht, in die der Skeldrunn mündet. Östlich der Skarnbucht liegen die Inseln Kjarnvik, Ulvronn, Vôrskjaal und Skarnhalv, während in der Drôskbucht die Inseln Vargrann, Hraskholm, Môrskeld und Drôskjar liegen. Die Insel Môrskeld ist zwar für ihr stürmisches Wetter sowie für tückische Strömungen berüchtigt, doch sind ihre Küsten dicht besiedelt und ihr Landesinnere besonders wild und urtümlich. Die Insel Vôrskjaal ist vor allem für ihre Grabhügel bekannt, denn während in Küstenregionen die Hroa ihre Toten meist mit einem Boot aufs Meer schicken oder verbrannt werden, liegen hier besondere Helden ihres Volkes bestattet. Der Vôrskjaalturm ist ein verlassener Turm der Elfen, der inzwischen den Hroa als Festung dient. Der Westen des Königreichs der Hroa wird von der weitläufigen und zerklüfteten Halbinsel Varghalvdrann, deren Küste von vielen Fjorden geprägt und deren Landesinnere hauptsächlich von unwegsamen, windgepeitschten und kragen Hochebenen und Hochmooren beherrscht wird. Die Menschen hier gehören größtenteils zum Stamm der Vargfotr und bewohnen größtenteils die Küstenstreifen, während ihre Verwandten im Binnenland als unberechenbare Halbwilde gelten. Die Grenzen des Varghalvdrann im Osten werden vom Skeldrunn, vom Hrôskarngebirge und von der Westwand des Gletschers von Vetrhjarta markiert. Die bedeutendsten Fjorde in Varghalvdrann sind von Süden nach Norden Vôrskalfjord, der Karnfjord, der Vetrhjelmfjord, der nach einem Einsturz über ein beinahe vollkommen abgeschirmtes Hafenbecken verfügt, der Rûnvagrfjord, der Vraknesfjord, und der Draskfjallfjord. An der Westküste des Vôrskalfjords liegt die langgezogene Ulvrnesethalbinsel, die von tektonischer Aktivität in Form von Geysiren geprägt ist. Hier lebt seit dem Krieg der Geteilten Hörner mindestens vier Werwolfrudel, die von den lokalen Dörfern der Vargfotr sowohl Nahrung als auch andere Ressourcen erpressen. Während die Ulvrnesethalbinsel den südlichsten Punkt des Königreichs darstellt, bildet die Hrôaskjoldhalbinsel zwischen dem Vetrhjelmfjord und dem Rûnvagrfjord den westlichsten Punkt. Vor dessen Küste findet sich die Insel Rûnhall, auf der sich zahlreiche Runensteine finden und die inzwischen hauptsächlich von Rûnmôrr bewohnt wird.

Flora und Fauna

Die Tierwelt von Hroa ist extrem vielfältig: Hier machen Höhlenbären, Höhlenhyänen, Höhlenlöwen, Hrimwölfe, Luchse, Polarfüchse, Säbelzahnkatzen, Schattenwölfe, Schneelöwen sowie Eisdrachen, Frostwürmer, Lindwürmer und Tatzelwürmer Jagd auf Auerochsen, Elche, Mammuts, Moschusochsen, Rentiere, Riesenhirsche, Riesenwildschweine, Steinböcke, Wildschafe, Wollnashörner und Zwergmammuts. Das Meer und die Küstenregionen sind die Heimat von Albatrossen, Blauwalen, Buckelwalen, Grauwalen, Grindwalen, Kaiserhaien, Möwen, Papageientauchern, Pinguinen, Riesenhaien, Riesenhummern, Riesenkraken, Robben, Schweinswalen, Seedrachen, Seelöwen, Seeschlangen, Sturmvögeln, Walrossen, Wollwalen und Zwergwalen. Die meisten von ihnen ernähren sich von den riesigen Schwärmen von Krill, von Dorschen, Heringen und Lachsen sowie Königskrabben und Riesenaustern.

Klima und Wetter

Das Klima in Hroa ist rau und wechselhaft, geprägt zwischen seiner Lage zwischen dem offenen Wintermeer im Süden und dem von Packeisfeldern geprägten Westlichen Polarmeer im Norden. Es ist kein Land des ewigen Frosts, sondern der ständigen Grenzzustände, zwischen Tau und Eis sowie zwischen Sturm und Stille. An der Südküste mildert das Meer die Winter etwas, Stürme bringen Schnee, Regen und salzige Gischt, doch das Wasser friert nur in besonders kalten Jahren zu. Die Sommer sind kurz, kühl und hell, aber lang genug für Weidewirtschaft und etwas Ackerbau in geschützten Tälern. Im Landesinneren werden die Winter strenger und trockener. Schnee bleibt monatelang liegen, und klare Nächte bringen klirrende Kälte. Das Gebirge selbst wirkt wie eine Wetterscheide: Es fängt Stürme ab, verstärkt Winde und trägt selbst im Sommer weite Schneefelder. Auf dem Gletscher von Vetrhjarta sowie in dessen Umland samt Ismôrann herrschen beinahe polare Verhältnisse. Der Boden taut hier im Sommer nur oberflächlich auf, das Meer friert teilweise zu und die Winter sind lang und dunkel. Der Gletscher sendet kalte Winde ins Land und beeinflusst das Wetter spürbar. Im Norden sammeln sich Feuchtigkeit und Nebel in den Sümpfen des Sikuinnaq, dort sind die Sommer schwül im Vergleich zum restlichen Land, während im Winter trügerisch dünne Eisdecken entstehen. Charakteristisch für ganz Hroa sind die extremen Lichtverhältnisse: Sehr lange Sommertage und ausgedehnte Winterdämmerungen, deren Rhythmen das Land ebenso stark wie Kälte und Frost prägen. Das Land der Hroa steht stets am Rande des Gefrierens – und genau dieses Gleichgewicht zwischen bewohnbar und feindlich hat seine Menschen geformt.

Politik

Hroa ist kein geeintes Reich, sondern ein loses Geflecht aus acht großen Stämmen und zahlreichen kleineren Sippen. Es gibt keinen dauerhaften Herrscher, keinen festen Thron, keine Hauptstadt. Autorität entsteht aus Zustimmung und vergeht mit ihr. Ein König wird nur in außergewöhnlichen Krisenzeiten ausgerufen, bei äußeren Bedrohungen, Hungersnöten oder existenziellen Spaltungen. Seine Macht ist nicht erblich, sondern an Vertrauen und Notwendigkeit gebunden. Seit dem Krieg der Geteilten Hörner gilt es als gefährlich, ohne breite Zustimmung der Stämme eine Wahl anzustreben. Derzeit herrscht eine gespannte Ruhe: Es gibt keinen König, doch die Stämme beobachten einander aufmerksam: Die Hrôthmark drängen auf stärkere Koordination und regelmäßige Versammlungen, die Vargfotr suchen Einfluss über eine große Seemacht, die Karnhûld pochen auf Stabilität und alte Gesetze, die Skarnrîs warnen vor Veränderungen im Eis und die Rûnmôrr deuten beunruhigende Zeichen. Offener Krieg herrscht nicht, aber alte Fehden sind nie ganz vergessen. Bündnisse wechseln, Ehen werden politisch genutzt und jede größere Entscheidung erfordert langwierige Versammlungen. Hroa ist kein Staat im eigentlichen Sinne, sondern eine Kulturgemeinschaft, die auf einem Gleichgewicht aus Stolz, Misstrauen und gemeinsamer Erinnerung basiert. Solange keine existenzielle Bedrohung auftaucht, bleibt dieses fragile Gleichgewicht bestehen.

Völker und Kulturen

Hroa

Die absolute Bevölkerungsmehrheit im Königreich Hroa sind die namensgebenden Hroa, welche jedoch kein Volk im engeren Sinne darstellen, sondern eine Ansammlung mehrerer kulturell vielfältiger Stämme. Die Hroa gehören zu den Vraknarvölkern und werden mitunter als deren urtümlichste Ausprägung verstanden, wobei auch sie sich inzwischen deutlich von der Ursprungskultur entfernt haben. Die Hroa sind meist groß gewachsen, breitknochig und wettergegerbt. Ihre Haut ist hell, von Wind und Frost gezeichnet. Ihre Haare reichen von aschblond bis dunkelbraun, werden oft lang getragen, geflochten und mit Lederbändern gebunden. Narben gelten nicht als Makel, sondern als Zeugnis erlebter Winter. Ihre Kleidung besteht aus Fell, dickem Wollstoff, Leder und umfasst gelegentlich Metallbeschläge. Schmuck ist hier selten prunkvoll, dafür aber sehr bedeutungsschwer: Knochen; Runenanhänger, Zähne und einfache Silberringe werden bevorzugt. Die Hroa glauben nicht an ferne entrückte Götter, ihre Welt ist unmittelbar: Der Wind trägt die Stimmen der Ahnen, jeder Fluss hat ein Herz, die Berge erinnern sich an alles und das Eis ist eine Prüfung. Ihr Glaube ist animistisch, stammesabhängig anders ausgeprägt, aber stets eng mit der Natur und dem eigenen Überleben verbunden. Runen sind keine Magie im klassischen Sinne, sondern in Stein, Holz und Knochen geritzte Erinnerungszeichen. Jeder Hroa ist frei geboren, es gibt weder einen Adel noch eine dauerhafte Zentralmacht. Häuptlinge müssen sich durch Stärke, Weisheit und Erfahrung die Zustimmung ihrer Sippen verdienen. Ein König wird nur in Zeiten großer Not anerkannt, und seine Macht endet mit seinem Tod oder mit dem Ende der Krise. Seit der Herrschaft das ersten Königs gilt das Gastrecht als heilig. Das Leben der Hroa ist hart, aber nicht freudlos. So sind die Winterabende voller Geschichten, Lieder werden gesungen und Hochzeiten werden laut und gemeinschaftlich am Wasser gefeiert. Kinder lernen früh zu jagen, zu fischen und zu kämpfen. Der Tod wird nicht gefürchtet, sondern wird als Rückkehr in den Wind, ins Wasser und in den Stein verstanden. Wenn man einen Hroa fragt, was sein Volk in Gänze ausmacht, lautet die Antwort meist: „Wir sind jene, die bleiben.“ – nicht, weil sie das Land besitzen, sondern weil sie es überdauern.

  • In Sûdhrôa leben die Sippen der Hrôthmark, die sich selbst als Hüter der Versammlungen und der Königsstadt Hrôskeld empfinden. Ihre Winterlager sind größer als die anderer Stämme, ihre Versammlungsplätze sind gut ausgebaut und diese gelten als besondere Höhepunkt im Jahr. Sie betreiben Ackerbau – vorwiegend Gerste, Schwarzroggen, Frostrüben und robuste Wurzelpflanzen – und halten größere Viehherden. Aus den Frostrüben brauen sie ein starkes Rübenbier. Aufgrund ihrer zahlreichen und großen Sippen ist ihre Politik komplexer als die der anderen Stellen. Die Hrôthmark sehen sich als Herz des Volks der Hroa und glauben, dass Stärke allein reicht nicht, sondern Einigkeit erarbeitet werden muss. Deswegen stammen zwei von vier Königen aus ihrem Stamm. Andere Stämme werfen ihnen vor, zu viel zu reden. Doch wenn Entscheidungen anstehen, sind es oft die Hrôthmark, die die Situation treffend in Worte fassen.
  • Die Iselvren leben in der Kjarnmark im Osten des Landes, vorwiegend entlang der Küste und des Südufers des Sikuinnaq. Ihre Siedlungen bestehen vorwiegend aus Pfahlbauten, an denen Boote fest vertäut sind. Fluss und Meer sind nicht nur Nahrung und Weg, er ist ein Symbol der Zeit, Sie messen Jahre nicht nach Herrschern oder Schlachten, sondern nach Hochwassern und Eisbrüchen. Ihre Ältesten gelten als sehr besonnen, viele Konflikte zwischen den Stämmen wurden auf neutralem Boden am Fluss oder an der Küste beigelegt. Die Iselvren pflegen das Wasserwort, ein Ritual, bei dem Streitende im knietiefen Wasser stehen und ihre Klagen aussprechen. Wer im Fluss lügt, so glauben sie, wird im nächsten Winter vom Eis geholt. Im Krieg sind sie flexibel: Sie kontrollieren Furten und die Küste, unterbrechen Versorgungswege und kennen jede verborgene Passage. Iselvren mögen nicht die wildesten Kämpfer sein, oft aber die entscheidenden.
  • Die Karnhûld leben im Hrôskarngebirge, wo der Wind schneidend über nackte Grate fährt und selbst im Sommer der Schnee in den Schatten überdauert. Ihre Hallen sind halb in den Stein geschlagen, halb aus schweren Steinblöcken gefügt. Rauch kriecht flach aus schmalen Öffnungen, und von außen wirken ihre Siedlungen wie natürliche Felsformationen. Sie glauben, dass das Hrôskarngebirge keine natürliche Formation ist, sondern der versteinerte Leib eines Helden – genauer gesagt eines Riesen, der sich selbst opferte, um die Hroa vor dem ersten Winter in ihrer neuen Heimat zu schützen. Jeder Karnhûld kennt die alten Erzählrungen von dem Herzschlag im Stein, der nur in absoluter Stille zu hören sei. Kinder der Karnhûld wachsen hart auf. Mit zwölf Wintern verbringen sie drei Tage allein in einer Felsspalte, nur mit Wasser, Messer und einer Decke. Wer zurückkehrt, gilt als „vom Berg angenommen“. Versagen wird nicht verspottet, aber auch nicht vergessen – ohne diese Prüfung gilt man niemals als ganz erwachsen. Die Karnhûld sind konservativ, traditionsgebunden und misstrauisch gegenüber schnellen Veränderungen. In Stammesversammlungen sprechen ihre Ältesten langsam, fast bedächtig, und wägen jedes Wort.
  • Im Nordwesten, wo der große Sikuinnaq auffächert und ein weitläufiges Sumpfgebiet bildet, liegt die Heimat der Mýrkdrann – „die aus dem Dunkelwasser“. Ihre Häuser stehen auf hölzernen Stelzen, verbunden durch schmale Stege über schwarzem Moorwasser. Sie kennen die Sümpfe des Sikuinnaq wie niemand sonst. Zwischen Torfinseln, Nebeln und tückischem Grund bewegen sie sich fast vollkommen lautlos, wenn sie Heilkräuter sammeln, Sumpfwild jagen und Torf für ihre Feuer stechen. Ihr Glaube ist leise und tief. Sie sprechen von den Geistern des Wassers und davon, dass die Sümpfe die Erinnerungen bewahren. Wer im Sumpf stirbt, so die Mýrkdrann, wird nicht vergessen, sondern zu einem Teil des Landes. Viele andere Stämme der Hroa meiden ihre Gebiete aus Angst vor dem allgegenwärtigen Nebel, doch sind die Mýrkdrann keine finsteren Gestalten – sie sind jedoch stets vorsichtig und beherrschen ihr Terrain meisterhaft.
  • Im dichten Môrdimmrwald, wo Nebel zwischen uralten Stämmen hängt und kaum Licht den Boden erreicht, leben die Rûnmôrr. Ihre Dörfer sind klein und verstreut, manche Häuser stehen auf Plattformen in Bäumen, andere sind halb in moosige Hänge gebaut. Sie glauben, dass jeder Baum einen Namen trägt und jeder Windstoß eine Botschaft. Ihre Seherinnen – Runenmütter genannt – lesen aus Knochen, Rinde und Rauch. Traumdeutungen sind ein bedeutender Teil des Alltags, und kein wichtiger Entschluss wird ohne Zeichen geführt. Die Rûnmôrr sind zurückhaltend, aber nicht schwach. Niemand kennt Kräuter, Gifte, Rauschmittel und Heilmittel so gut wie sie. In Konflikten ziehen sie es vor, nicht offen zu kämpfen. Ihre Stärke liegt im Verbergen, im Beobachten und im geduldigen Warten. Zwischen Rûnmôrr und Mýrkdrann herrscht eine enge Freundschaft. Seit einigen Jahren leben einige Angehörige ihres Volkes auf Rûnhall und versuchen, die Runensteine dort zu deuten.
  • Die Skarnrîs leben zwischen dem östlichen Rand des Gletschers von Vetrhjarta und dem westlichen Rand der Sümpfe des Sikuinnaq. Ihr Land ist seit der Entstehung des Gletschers karg, das Meer voller Treibeis und die Luft schneidend klar. Sie ziehen mit Fellzelten über gefrorene Ebenen und kennen Spalten, die für andere unsichtbar sind und ihnen Unterschlupf gewähren. Ihr Alltag ist von Entbehrung geprägt, Nahrung nie sicher und Schutz nie selbstverständlich. Doch klagen sie nicht, Klage gilt als Verschwendung von wertvollem Atem und Wärme. Ihre Kinder werden früh an die Kälte gewöhnt, ein altes Ritual verlangt, das Neugeborene ins eiskalte Wasser des Drônhjart getaucht werden, nicht aus Grausamkeit, sondern um „dem Frost ihren Namen zu zeigen“. Generell spielt der Drônhjart – oder viel mehr die alljährliche Lachswanderung – eine bedeutende Rolle im Leben der Skarnrîs. Sie kämpfen hart, sind direkt und ohne Zierde. Wenn die Skarnrîs erscheinen, ist es ein Zeichen, dass Land und Leute in ernster Gefahr sind.  
  • Die Vargfotr leben auf Varghalvdrann, der großen Halbinsel im Westen des Stammeslandes, meist entlang der zerklüfteten Küste. Ihre Häuser ducken sich in Fjordmulden, und ihre Boote sind schmal, flexibel und erstaunlich schnell. Sie verstehen das Meer nicht als ihren Feind, sondern als Prüfung. Der Wind ist für die Vargfotr heilig. In seinen Richtungswechseln lesen sie Zeichen und alte Vargfotr sagen, dass im Sturm die Seelen der Ahnen reisen. Deshalb wird vor jeder großen Fahrt ein leiser Gesang angestimmt, der als Erinnerung für den Wind dienen soll, wo die Reisenden herkommen. Ihre Gesellschaft ist rudelartig organisiert – mehrere verwandte Familien bilden ein „Rudel“, geführt von einer erfahrenen Kriegerin oder einem bewährten Seefahrer. Loyalität gilt zuerst dem Rudel, dann dem Stamm. Im Kampf sind sie unberechenbar, sie greifen aus Nebelbänken heraus an, landen unerwartet an fremden Küsten und verschwinden ebenso schnell wieder.    

Andere Völker und Kulturen

Ursprünglich lebten an der Nordküste von Hroa die Walrossmenschen der Outanek, welche jedoch im herannahenden Gletscher von Vetrhjarta ein finsteres Omen sahen und ihre Heimat verließen. Dennoch kommen sie immer wieder an diese Gefilde, vor allem um mit den vertrauten Skarnrîs zu handeln. Auch Polarnomaden kommen in guten Jahren hin und wieder nach Hroa, um hier mit den Stämmen zu handeln – in schlechten Jahren sind diese allerdings eine große Gefahr für ihre nomadischen Sippen. In den Höhlen des Hrôskarngebirges leben einige primitive Stämme der Höhlenmenschen, deren Angehörige zu den letzten Überlebenden ihrer Art gehören. Sie ernähren sich als Jäger und Sammler, und aufgrund von schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit töten sie jeden, der sich ohne Einladung ihren Höhlen nähert.  Dauerhaft leben im Königreich Hroa daneben vor allem Schneegoblins, im Vorgebirge Hügelriesen sowie im Môrdimmrwald Ragana und Waldschratte. Ob es auf dem Gletscher von Vetrhjarta inzwischen Eisriesen, Schneetrolle und Yhetis gibt, konnte noch nicht bestätigt werden.

Städte und andere wichtige Siedlungen

Hrôskeld

Die „Hauptstadt“ des Königreichs Hroa ist Hrôskeld in Sûdhrôa, welche als Ort der Ausrufung eines neuen Königs dient. Die Stadt wurde an einem Geysirfeld errichtet, welche für ein ganzjährig mildes Klima sorgen und mehrere Thermal- und Dampfbäder speisen. Hier leben Hrôthmark und Schneegoblins Seite an Seite, die sich hier als Müllsammler, Rattenfänger und Jäger verdingen.  

Bymatr

Am Westufer des Drônhjart liegt Bymatr, die größte Siedlung der Hroa im Môrdimmrwald. Die hiesigen Rûnmôrr haben seit gut zehn Jahren mit einer Plage von Werwölfen zu tun, weshalb inzwischen eine hölzerne Palisade über die Kleinstadt errichtet wurde. Hier ist der Fang der Lachse, die zweimal im Jahr in riesigen Wanderungen den Drônhjart entlang ziehen, von besonderer Bedeutung.

Kjarnvik

Der kleine Küstenort Kjarnvik liegt an der Mündung des Drônhjart in den Hrôdrannfjord. Er gilt als die einzige dauerhafte Siedlung in Ismôrann und wird von einer einzigen Großfamilie bewohnt. Die Bedeutung von Kjarnvik liegt vor allem darin, dass man hier sowohl die Alten und Kranken aufnimmt wie auch Waisen, die gerne in die Gemeinschaft aufgenommen werden.

Rond

Die Kleinstadt Rond liegt inmitten der Sümpfe von Sikuinnaq und ist als größte Siedlung das Zentrum der Kultur der Mýrkdrann. Sie verfügt über einen steinernen Wachturm, was sie einzigartig in der Region macht. Allerdings hat Rond seit einigen Jahren unter einem Tatzelwurm zu leiden, der sich in der Nähe niedergelassen hat.

Rûnheim

Die Kleinstadt Rûnheim liegt auf der Insel Rûnhall im Gebiet der Vargfotr, wird jedoch vorwiegend von Rûnmôrr bewohnt, die seit nunmehr fast dreißig Jahren versuchen, die Bedeutung der hier in den Felsen geschlagenen vormenschlichen Runentexte zu entschlüsseln.

Skarnhavn

Nur wenige Kaufleute, die aus dem Süden kommen, wissen, dass die Hroa keine kulturlosen Barbaren sind und das man auf ihren Märkten durchaus wertvolle Waren finden kann. Für sie ist Skarnhavn an der Skjoralbucht im Gebiet der Iselvren das Juwel des Hohen Nordens – wobei die Hroa mit „Kaufleute aus dem Süden“ vor allem die wenigen Drachenboote von der Nordküste des Fjordlands meinen, die sich hier hin verirren. Skarnhavn ist die größte Stadt des Lands der Hroa.  

Vargeneset

Das Zentrum für Plünderfahrten stellt inzwischen Vargneset dar, welche zwar in Sûdhrôa liegt, aber größtenteils von Vargfotr bewohnt wird. Für die Verhältnisse der Hroa ist Vargneset eine Großstadt, mit wuchtigen Festungsanlagen und einem künstlich vergrößerten Hafenbecken. Die Stadtbewohner gelten als arrogant und aufbrausend und sind entsprechend bei ihren Nachbarn unbeliebt, selbst bei den übrigen Vargfotr gelten sie als unangenehme Zeitgenossen.