Cituqayatundra: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 22. März 2026, 13:34 Uhr
Jenseits des Nebellands, wo der Himmel im Winter nie richtig hell und im Sommer nie richtig dunkel wird, breiten sich die endlosen Weiten der Cituqayatundra aus – die Heimat der Polarnomaden vom Volk der Nukariq. Die Polarnomaden nennen ihr Land häufig Nunaqatigiik (R. „Das Land, das uns Zusammenhält“), während sowohl ihre Nachbarn als auch die anderen Kulturschaffenden es als Grünes Land oder schlicht die Weite Tundra bezeichnen.
Geschichte
Auch wenn in der frühen Vergangenheit hier wenige Kristallpaläste der Eiselfen errichtet wurden und Zwerge das Land auf der Suche nach einem Gebirge durchquerten, so beginnt die eigentliche Geschichte des Landes weit im Norden von Beleagand. Dort brachen vor knapp 3200 Jahren beziehungsweise um das Jahr 2173 vAF die Vorfahren der Polarnomaden-Völker der Läimauja, der Oronmir, der Sorumkan und der Alunai auf, um im Osten eine neue Heimat zu finden. Sie gehörten zu den ersten Menschen, die die Wiege der Menschheit in Beleagand verließen, und waren womöglich die einzigen, die hierbei den Landweg durch das Ewige Eis des Hohen Nordens wählten. Die Ursache für diesen Aufbruch wird als das Sterben des Westens bezeichnet, und die Ältesten sagen: Wir verließen nicht unsere Heimat, unsere Heimat verließ uns. Die ersten Stämme lebten in einem zerklüfteten Land aus Gletschern, Küsteninseln und wanderndem Packeis, und seit ungezählten Generationen florierten sie in dieser verlässlichen Welt aus Kälte. Vor drei Jahrtausenden begann sich jedoch etwas zu verändern, so wurde das Meereis von Jahr zu Jahr immer dünner, die Wanderungen der Wale blieben aus, die riesigen Robbenansammlungen zogen an andere Küsten und die Winterstürme hielten sich nicht mehr an die vertrauten Zyklen. Die Schamanen berichteten von beunruhigenden Träumen, in denen das Eis unter riesigen unsichtbaren Gewichten knirschte und der Himmel zu weit entfernt zu sein schien. Als dann schließlich ganze Küstensiedlung in einem ungewöhnlich frühen Tauwetter vom Eis verschlungen wurde, waren für die Schamanen diese Träume und die Ereignisse in der Wachwelt ein eindeutiges Zeichen: Das Land wollte sie nicht mehr tragen. Sie wussten aus schon damals uralten Legenden, dass sich im Fernen Osten weitere Regionen geben würde, in denen noch nie ein Mensch gewesen war und das nur auf ihre Wanderungen wartete. Die Wanderung über das Ewige Eis, die von 2173 bis 2029 vAF dauerte, war kein geschlossener Zug, sondern ein endloser Strom aus Stämmen und Sippen, die sich voneinander lösten, einander wiederfanden und sich wieder trennten. Einige Gruppen zogen entlang der Küsten, blieben dort manchmal eine Weile um zu fischen, bis sie weiterzogen, anderen wagten sich über die massiven Eisfelder und jagten dort auf dem Weg alle Formen von tierischem Leben, das ihnen begegnete. Lieder aus jenen Jahren berichten von Eisbrücken in fremde Welten, von riesigen Eisschollen von fernen Kontinenten und von Nebeln, in denen Geister erschienen und die den Wanderern wochenlang die Sicht und die Orientierung nahmen. Während der Wanderung durch das Ewige Eis wurden Kinder auf Schlitten geboren, geliebte Familienmitglieder wurden in Eisgräbern bestattet und über einhundertfünfzig Jahre entstand eine neue Identität – aus dem Volk des nördlichen Beleagands wurde ein Volk des Wanderns. Man lernte, mit den Sternen zu navigieren und das Knacken des Eises zu verstehen, doch der Preis war hoch: Über ein Drittel aller Stämme und Sippen ging während der Wanderer verloren. Nachdem die ersten Gruppen die Cituqayatundra im Hochsommer des Jahres 2037 vAF erreicht hatten, erschien ihnen das neue Land wie ein Traum: Gras wogte im Wind, Flüsse glitzerten und die Luft roch nach dunkler Erde. Viele der Neuankömmlinge misstrauten dem Schein, und viele der Gruppen, die im darauffolgenden Winter ankamen, entschlossen sich weiterzuziehen: Die Alunai und die Sorumkan zogen weiter in den Osten, wobei die Sorumkan auf dem Festland blieben und es die Alunai auf die reichhaltige Inselwelt des äußersten Ostens zog. In der Cituqayatundra hingegen blieben die Vorfahren der Läimauja und der Oronmir, die sich auf eine andersartige Umwelt einstellen mussten. In der Geschichte wird die auf die Wanderung über das Ewige Eis folgende Epoche als die Zeit der Besiedlung der Cituqayatundra bezeichnet, welche von 2029 bis 1711 vAF andauerte. Die Lieder ihres Volkes nennen diese Zeit als Epoche der Weichwerdung – was nicht als Schwäche zu verstehen ist, sondern als Wandlung und Anpassung an die Gegebenheiten ihrer neuen Heimat. Die Läimauja und die Oronmir erlernten, wie sie sich auf die neue Umwelt einstellen mussten. Sie lernten, die Wanderungen der Rentiere und der Mammuts vorherzusehen und diesen zu folgen, Fische sowohl im Meer als auch in den Flüssen zu fangen und ihre Lager sowohl auf schlammigen Böden als auch im Permafrost zu errichten. Doch auch hier waren die ersten Winter schwer, und das Land brachte Gefahren mit sich, die die Stämme noch nicht kannten: Plötzlich auftretendes Tauwetter, schier apokalyptische Mückenplagen, unerwartete Überschwemmungen waren gemeinsam mit dem starken Vulkanismus die größten Neuerungen, vor die ihre Lebensweise gestellt war. Und zum ersten Mal seit Generationen wuchs eine Gemeinschaft heran, deren Angehörige auf dem Land starben, in dem sie auch geboren worden sind. Die Anpassungen wurden über die Generationen stärkte, so veränderten sich die Form von Werkzeugen, die Boote wurden den Flüssen angepasst und die traditionelle Sommerkleidung wurde dünner. Ab 1710 vAF begann eine Zeit, die heute als die Große Aufspaltung bekannt ist: Die Bevölkerung wuchs stark, und es entwickelten sich zunächst immer stärkere kulturelle Unterschiede zwischen den Läimauja, die vor allem im Süden und Osten der Cituqayatundra siedelten, während die Oronmir im Zentrum, im Norden und im Westen des Landes heimisch werden. Auch begannen sich die Stämme und Sippen zu differenzieren, so entwickelten sich Küstenjäger mit komplexen Bootskulturen, Binnenstämme, die den großen Herden folgten, und Gruppen halbsesshafter Waldbewohner. Bis 1339 vAF drifteten die Dialekte der gemeinsamen Sprache auseinander, die Totemtiere wurden zunehmend unterschiedlich verehrt und einige Stämme begannen, sich stärker territorial zu verhalten. In jenem Zeitalter sind die ersten Konflikte um Winterweiden überliefert, die in den Liedern als Blut unter Schnee besungen werden. All dies veränderte sich um 1010 vAF, als eine Serie von sehr harten Wintern begann, die Region im Griff zu halten. In diesen Jahren gefroren Seen und Flüsse bis auf den Grund, Herden brachen zusammen und der Hunger wurde allgegenwärtig in der Ära der Großen Winter. Einige Schamanen glaubten, der verlorene Westen rufe seine Kinder zurück, doch nur wenige Sippen folgten diesem Ruf. Einige Stämme der Läimauja entschieden sich, ihre Heimat in eine andere Richtung zu verlassen: Sie überquerten in ihren Booten das Drachenmeer und besiedelten fortan die schier endlosen Steppen im Osten von Ennor, doch auch sie blieben eine Minderheit. Während der Ära der Großen Winter wurden die ersten Stammesbünde geschaffen, lose Allianzen, die dem Austausch von Nahrung und Schutz dienten, außerdem entwickelten sich die Schamanen zu spirituellen Vermittlern zwischen konkurrierenden Gruppen. Ab 1007 vAF vereinte der legendäre Winterbund fast alle großen Stämme und Sippen beider Völker zur gemeinsamen Jagd, und aus der Zeit der Härte wurde auch eine Zeit der Kooperation. Die Ära der Großen Winter 991 vAF endete mit einer spürbaren Milderung der Winter, und das Jahr nahm fortan wieder seinen gewohnten Lauf. Die Überlieferung benennt die Zeit zwischen 991 vAF bis 890 vAF als das Jahrhundert der Erholung, bis 888 vAF die Metallzeit des Südens anbrach. Die meisten anderen menschlichen Völker und Kulturen – vorwiegend nordländischer Herkunft – mieden den Kontakt zu den Polarnomaden, doch ab 888 vAF erreichten erstmals nebelländische Händler die Lager der Läimauja und der Oronmir. Sie brachten Eisen und andere Metalle, fein gewebte Stoffe und neue Pfeilspitzen mit sich, die ihre Jagdmethoden verbesserten, während sie selbst Felle, seltene Harze, Knochenkunst und Tran anboten. In der Folge wurden aus einigen Küstensiedlungen saisonale Handelszentren, und Tullunaq entwickelte sich von einem Dorf zu einer Art zeremoniellem Zentrum und Ratssitz der Cituqayatundra. Dennoch übernahmen die Polarnomaden nur das, was ihnen unmittelbar nützte, und das Metall konnte weder den Stein noch die Tradition vollständig ersetzen, sodass es nie zu einer wie auch immer gearteten Form der Abhängigkeit kam. Seit ca. 200 vAF herrschte eine langandauernde Epoche, die heute als Zeit der Stillen Stabilität bekannt ist. Trotz größerer Verwerfungen wie die Entstehung der Reiche des Winterkönigs und der Schneekönigin, der Winterkrieg oder der Barbarenkrieg des Kuraz‘ brachten diese Jahrhunderte eine relative Ruhe, da man diesen Entwicklungen größtenteils aus dem Weg gehen konnte. In jener Zeit schlugen die Polarnomaden doch erste Schlachten gegen äußere Feinde, und anstatt Königreiche und Fürstentümer entwickelten die Stämme große Netzwerke, die zwar nicht konfliktfrei existieren, aber sich durch Verlässlichkeit und eine gemeinsame Identität als erstaunlich stabil erwiesen haben – stabiler, als so manches große Imperium des Südens. Mit der Gründung des Fürstentums Olar im Jahr 854 AF sehen viele der Ältesten und Schamanen ein neues Zeitalter angebrochen, welches von einem gesteigerten Interesse der ennorischen Großmächte an den reichen Ressourcen des Nordens geprägt sein wird. Seit knapp 901 AF bemüht sich die Estnovische Hanse um die Gründung von Handelsniederlassungen und den Aufbau von Handelsnetzen, und seit 1025 AF ist die erst vier Jahre zuvor gegründete mittelreichische Gesellschaft der Ritter des Grünen Tals verstärkt in der Cituqayatundra unterwegs. Diese Organisation wurde vorgeblich gegründet, um den Polarnomaden das Wort der Kaiserlichen Kirchen zu predigen – faktisch ist es jedoch das erklärte Ziel der Ritter, eigene Siedlungen zu Gründen und eine mittelreichische Nordsiedlung einzuleiten. Die Cituqayatundra grenzt im Uhrzeigersinn an das Reich des Winterkönigs, den Kristallwald, das Fürstentum Olar, das Ewige Eis, das Reich der Schneekönigin, die Nariqtuk-Fjorde, das Königreich Idmora, die Nebellande, das Wintermeer, das Königreich Hroa, das Westliche Polarmeer und das Königreich Svidi.
Geographie

Die Cituqayatundra ist eine kühle, aber lebendige Wildnis in der Mittleren Helchanar. Eine endlose Weite aus Wind, Eis und uralter Erde – eine Landschaft, die ebenso schön wie erbarmungslos ist. Ihr Antlitz verändert sich im Jahreslauf: Gefroren und silbrig im Winter, sumpfig und von zahllosen Bächen durchzogen im kurzen, aber intensiven Sommer. Im Sommer riecht das Land nach Moos, kaltem Wasser und nassem Stein, während sich im Winter tosende Schneestürme mit windstillen Tagen abwechseln, an denen die Stille vollkommen ist und man außer dem Knistern des Eises und dem Hauch seines Atems kein einziges Geräusch hören kann. Die Temperaturen sinken dann weit unter den Gefrierpunkt, wobei die Einheimischen wissen, dass die wahren Gefahren nicht die Kälte oder Schnee sind, sondern der Wind, der Hunger und die Einsamkeit. Der Boden wird von Frost und Torf, von Grasmatten und Moosflächen sowie von vulkanischen Felsen, die wie Götterstatuen aus der Erde ragen, geprägt. Wenn die Sonne hier untergeht, dann beginnt das Tanzen der Lichter: Grüne, blaue und violette Schleier, die sich in stiller Anmut über das Land legen. In diesen Momenten halten die Nomaden inne, entzünden ihre Feuer und betrachten das Nordlicht, dass ihnen als sichtbarer Gesang der Ahnen gilt. Das größte Gebiet innerhalb der Cituqayatundra ist die Silmaqraun-Ebene, welche für viele Kartographen das Herz der Tundra darstellt. Sie wird eingerahmt vom Skjornkamm, den Vralgûnbergen und den Rändern des Kristallwalds im Norden, dem Massiv von Akkhavárri im Osten und im Südosten, dem Sikuinnaq im ab der Mündung des Njaluk im Süden sowie dem Tárqiluk im Westen. Es ist eine sanft gewellte Ebene, die im Sommer im matten Grün von Moosen, Schachtelhalmen und kurzem Gras erblüht. Unterbrochen wird diese Decke von dunklen Granitkuppen, deren einst schroffe Spitzen von Jahrtausenden unbarmherziger Winde glattgeschliffen worden sind. Zwischen den Felsen ragen Menhire und Opfersteine auf, die von vielen Lagen jährlich aufgetragenen Rentierbluts dunkel verfärbt sind und die von heiligen Männern und Frauen bewacht werden. Im Glauben vieler polarnomadischer Sippen gelten sie als die Finger der Ältesten, die einst aus der Tiefe griffen, um den Himmel emporzuheben. Im Zentrum der östlichen Hälfte der Silmaqraun-Ebene erhebt sich der Vuonja, ein alleinstehender Hügel, weit über das Umland. Er gilt den Sippen der Region als heilig, und in unregelmäßigen Abständen versammeln sich auf seiner Kuppe zahlreiche Schamanen aus der gesamten Cituqayatundra, um die Sterne und den Verlauf der Polarlichter zu beobachten und hieraus Schlüsse für das Leben der Menschen zu ziehen. Der mittleren Norden der Ebene wird aufgrund der unheilvollen Nähe zur Pforte von Drask und damit zum Hauptzugang ins Reich des Winterkönigs gemieden, während einzelne Sippen an den Südhängen der Vralgûnberge und des Skjornkamms nach Kräutern, Bernstein sowie zunehmend nach gediegen vorkommenden Erzen suchen. Der Westen der Silmaqraun-Ebene wird im Wesentlichen von drei geographischen Marken bestimmt: Der Kaarnaq ist einer von zwei großen aktiven Vulkanen, die sich in der Region finden und die von den Polarnomaden ehrfurchtsvoll verehrt werden. Das Umland des Karnaaqs ist geprägt von den Anzeichen des Vulkanismus: Dampfende Felsspalten, heiße Quellen, regelmäßige Erschütterungen und Erdbeben, Geysire sowie giftige Schwefelseen voller schillernder Salze. Der Gürtel der Auswirkungen zieht sich vom Kaarnaq in den Norden, wo sie bis im Reich des Winterkönigs zu spüren sind. Südwestlich des Kaarnaq und gerade außerhalb seines schmalen südlichen Ereignisfelds liegt der Nallunaqar, der von den Polarnomaden auch als Wandernder Wald bezeichnet ist. Den Überlieferungen nach war er einst ein Teil des Kristallwalds, bis er sich von diesem löste und auf seine lange und gefahrvolle Reise in den Westen machte. Diese Wanderung soll bereits viele Jahrtausende gedauert haben, und noch einmal solange andauern. Generation um Generationen sterben die östlichen Gebiete ab, während am westlichen Rand neue Haine entstehen. Während der Nallunaqar die Schmalstelle zwischen dem Kaarnaq im Norden und den Qilaahöhen passierte, veränderte sich das Bild des Waldes – doch er erscheint sich langsam zu erholen und zwischen Birken, Lärchen und Polartannen ergrünt immer mehr junges Gehölz. Die Qilaahöhen selbst sind eine in Ost-West-Richtung verlaufende Hügelkette, die parallel zum Sikuinnaq verläuft und schon den ersten Polarnomaden als heiliger Ort galt. Viele der riesigen Findlinge sind mit verschlungenen Mustern bedeckt oder von Knochentalismanen behangen, die bereits vor hunderten Generationen angebracht worden sind und immer wieder erneuert werden. Die Sippen der Region glauben, dass jeder Hügel und jeder Felsen die Erinnerungen uralter, schlafender Wesen tragen, deren Erwachen das Ende der Welt bedeuten würde, weswegen sie eben jenen Mustern und Talismanen weiterhin schlafend gehalten werden müssen. Zwischen den Hängen befinden sich zahlreiche Höhlen, die teils als heilige Stätten gelten und teils als Winterquartiere nomadischer Sippen genutzt werden. Dass aus vielen dieser Höhlen warmer Dampf emporsteigt und ein behagliches Klima schafft, gilt als Segen der Geister. Ganz im Westen der Silmaqraun-Ebene liegen zu Füßen des Skjornkamms der große Alliqtuqsee und der etwas kleinere Kuniiraqsee, welche beide von heißen Quellen gespeist werden und das ganze Jahr über eisfrei bleiben. Das Wasser hier ist sehr mineralreich und sauber, dafür aber arm an Fischen und anderen nutzbaren Ressourcen. Südlich des Sikuinnaq, nördlich der Grenze des Nebellands und westlich des Njaluk befindet sich die von den Mittelländern als Grüne Ebene bekannte Region, die die Polarnomaden Qilak-Suvvik nennen. Auch hier färbt sich im Sommer das Land in stumpfes Grün, durchzogen von silbernen Flüssen, die in breiten Schleifen über das flache Land mäandern. Das hohe Gras steht in dichten, raschelnden Büscheln, und dazwischen glitzern tausende kleine Teiche, in denen sich das Nordlicht spiegelt. Doch der Schein trügt: Der Boden ist tückisch, durchzogen von Permafrostadern, die unter der Sonne aufbrechen, ganze Felder verschlingen und den Himmel mit Dampf und fauligem Nebel füllen. Jener Küstenstreifen der Liathmarabucht, welcher zur Grünen Ebene zählt und diese mit dem Wintermeer verbindet, ist von Kiesstränden geprägt, an denen Fischer in ihren schmalen Booten und Robbenjäger leichtes Spiel haben. Hier liegen mit dem Igruuraqwald und der Panyulliktaiga zwei große Waldgebiete, die vorwiegend von Fichten, Kiefern, Lärchen und Tannen gebildet werden. Die Polarnomaden und die Schneegoblins nutzen diese Wälder intensiv, als Jagdgründe sowie als Ort für Winterlager. Aufgrund der Empfindlichkeit dieser Lebensräume – beide Waldgebiete bildeten einst gemeinsam mit dem im Nebelland gelegenen Totenwald einen riesigen zusammenhängen Urwald, der immer weiter dezimiert wurde – existieren inzwischen starke Regeln, die den Umgang der Sippen mit den Ressourcen und der Natur regeln und somit eine schonende Nutzung mit zunehmender Erholung der Wälder nach sich ziehen. Ganz im Westen der Cituqayatundra, nordwestlich des Sikuinnaq und des Tárqiluk, liegt eine vielfältige Region, die den Polarnomaden als Qilertaaq bekannt ist. Die Einwohner der Region wandern – sofern sie nicht den breiten Sikuinnaq überqueren – im Jahresverlauf von Westen nach Osten, so sie geschützt vom Skjornkamm die harschen Winter überdauern. Im eigentlichen Bogen dieses Grenzgebirges liegt die Seenplatte von Piqruutaq, welche über trübe und mineralreiche Gewässer verfügen, die extrem reich sind an Fischen und Krebstieren, von denen die Sippen im Winter profitieren, wenn sie hier an Eislöchern fischen. Im Sommer allerdings ist diese Region für Menschen kaum bewohnbar, denn dichte Mückenschwärme verdunkeln hier den Himmel. Hügelriesen, deren Haut die Mücken nicht durchdringen können, und Schneegoblins, die sich mit Schlamm einreiben und die Mücken so fernhalten, kommen dann allerdings in großer Zahl hierher. Der Vulkan Iktaruq ist der zweite Vulkan in der Cituqayatundra, und wie sein Gegenstück weiter im Osten ist er sehr aktiv und wird von den Sippen der Polarnomaden verehrt. Gerüchten zufolge kommt es hier in Zeiten der Not immer wieder zu Menschenopferungen, worüber sich die Menschen hier beharrlich ausschweigen. Im Westen grenzen die Annalirhöhen die vulkanisch geprägte Region von den Sümpfen des Sikuinnaq ab, die nördlich des Hauptstroms des Sikuinnaq zum Gebiet der Cituqayatundra gerechnet wird. Die Annalirhöhen dienen sowohl den Bewohnern der Küste als auch den Bewohnern der Sümpfe als Hügelgräber, und im Frühjahr ziehen jene Familien, die einen Verlust im langen Winter zu beklagen hatten, mit dem Leichnam ihres geliebten Menschen in Annalirhöhen, um diesen im Hügelgrab ihrer Sippe zu bestatten. Südwestlich der Annalirhöhen erstrecken sich die Sümpfe des Sikuinnaq, in der Erde und Wasser untrennbar miteinander verschmolzen sind und eine Barriere zum südlichen Königreich Hroa bilden. Es ist ein halbgefrorener Sumpf, in welchem man aufgrund tief gelegener Faulprozesse und vulkanischer Aktivitäten warmen Dampf aus Rissen im Eis aufsteigen sehen kann – und noch viel öfter riechen. Im Sommer verwandeln sich weite Flächen in glitzernde Spiegelseen, auf denen sich die Sonne in tausendfacher Helligkeit bricht und dichte Schwärme von Mücken das Leben zu einer Qual machen. Es ist ein gefährliches Land ohne Pfade, in dem nicht nur Raubtiere, zwielichtige Gestalten und Sumpfgas eine Gefahr darstellen. Schon so mancher Reisender ist von einem auf den anderen Augenblick spurlos verschwunden, nachdem der Boden unter seinen Füßen aufbrach und ihn innerhalb eines Herzschlags verschlang. Hier leben im Sommer zahlreiche Vögel wie Enten, Gänse und Reiher, deren Rufe in der Dämmerung meilenweit über die Sümpfe des Sikuinnaq hallen und deren Eier eine wichtige Nahrungsquelle für die Einheimischen darstellen. Die Küste zum Westlichen Polarmeer ist abwechslungsreich – während die Küstenlinie in den Sümpfen des Sikuinnaq an der Sikuinnaqbucht verschwimmt, während sie nördlich davon immer weiter zu einer Steilklippe ansteigt, bevor sie südlich von Uluriak abrupt abfällt Die Küste der Imaqsuulbucht ist bemerkenswert: Hier besteht der Boden aus schwarzem, glasigem Gestein, von Kratern und Spalten durchzogen und ständig wehen warme Dämpfe vom Meer hinauf, die einen Hinweis auf die unterseeischen Hitzequellen liefern. Manchmal erheben sich aus diesen Fluten sogenannte Rauchinseln, die nur wenige Tage bestehen, bevor sie wieder im Meer versinken. Die Luft schmeckt hier nach Asche, und das Meer leuchtet nachts in einem matten, kränklichem Blau. Die Einheimischen glauben, dass hier die schlafende Schlange Sivunak ruht, die einst das Eis teilte, um den Himmel zu gebären. Östlich hiervon herrschen vor allem Kiesstrände bis zur Mündung des Skarn vor, der die Grenze zu Svidi bildet. Qilertaaq, die Grüne Ebene und die Silmaqraun-Ebene werden zusammenfassend als Westliche Cituqayatundra bezeichnet, die sich insofern vom Rest des Landes unterscheidet, dass hier die Oronmir die dominierende Kultur der Polarnomaden darstellen. Der bedeutendste Fluss – der zugleich eines der größten Flusssysteme der Welt darstellt – ist der Sikuinnaq. Es ist ein breiter und tiefer Strom, der nur in den härtesten Wintern zufriert und an dessen Grund sich sowohl Gold- und Silbernuggets, Bernsteinbrocken und Perlen. Die jährlich Aal- und Lachswanderungen stellen wichtige Ressourcen da, die von den Sippen gern genutzt werden. Zudem ist der Sikuinnaq ein wichtiger Verkehrsweg, der eine schnelle Durchquerung der Tundra ermöglicht. Der Fluss besitzt zahlreiche Nebenflüsse, die auf seinem langen Weg in diesen münden. Er entspringt im Norden des Massivs von Akkhavárri, und von Osten nach Westen münden in ihm die ebenfalls im Massiv entspringenden Silmajuq und Iqtaariq, der Njaluk – der im Hrungarfjallgebirge entspringt und in den der Orvethaal und der Ciekna münden – sowie der im Skjornkamm entspringende Tárqiluk. Das Massiv von Akkhavárri ist ein schroffes Granitgebirge im Osten der Cituqayatundra, dessen abweisende Hänge und Grate von den Polarnomaden gemieden werden. Auch Zwerge haben sich hier nie niedergelassen, einzig Eisriesen, Yhetis und Frostwürmer bewohnen die Gletscher in der Höhe. Warum dieses Massiv einen so schlechten Ruf hat, trotz der immensen Goldvorkommen, ist unklar. Das Land östlich und südlich des Massivs von Akkhavárri ist als Kairru-Talun bekannt und wird vorwiegend von den Läimauja bewohnt, aufgrund der Lage wird es manchmal auch als Östliche Cituqayatundra bekannt. Insbesondere im Süden ist das Klima aufgrund der talartigen Lage zwischen dem Massiv von Akkhavárri im Norden und dem Hrungarfjallgebirge im Süden recht milde, sodass das Naaqullikbecken von vielen Läimauja-Sippen für ihre Winterlager aufgesucht wird. Deshalb finden in dieser Zeit häufig große Feiern statt, man begegnet sich, feiert, erneuert alte oder knüpft neue Bande. Allerdings ist diese klimatisch günstige Lage auch immer wieder Grund für Auseinandersetzungen gewesen, insbesondere mit den Polarnomaden der Oronmir-Kultur, die in harten Wintern nach Süden auswichen und dort mit den Menschen in Konflikt gerieten. Im Nordwesten des Beckens liegt der Hügel Áilu-Tor, der wie auch der weiter im Norden gelegene Vuonja als heilig gilt – wenn auch mit einer finsteren Aura. Unter dem Hügel verborgen liegen weitläufige Katakomben aus einer Zeit, in der noch ein heute restlos verschwundener Kristallpalast der Eiselfen die Kuppe zierte. Im Zentrum des Naaqullikbecken liegt der fast kreisrunde Naaqulliksee, der von sechs heißen Quellen gespeist wird und der den Läimauja als Tor in die Anderswelt gilt. Der See entstand allerdings weder durch eine jenseitige noch eine diesseitige Quelle, viel mehr ist er ein mit Wasser gefüllter Krater eines Meteoriteneinschlags. Weiter im Norden, jenseits des aus dem Idmora-Gebiet kommenden Geistergletschers, liegt eine vom Flusssystem des Norelin geprägtes Tundra. Er und seine Nebenflüsse – der im Massiv von Akkhavárri entspringende Anmirra sowie der aus dem Fürstentum Olar kommende Morjalen – dienen als Siedlungsraum und Quelle von Nahrungsmitteln und Rohstoffen. Allerdings ist die Region zunehmend umstritten: Jäger und Hirten aus dem Fürstentum Olar bedrohen hiesige Tiervorkommen, zudem respektieren sie häufig nicht die Eigentumsrechte der Rentierherden der Nomaden. Gleichzeitig wird der Norelin zunehmend zu einem wichtigen Verkehrsweg, und die Gründung der Hafenstadt Valmora – einer Exklave von Olar – wird schlicht als Diebstahl wahrgenommen. Es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Konflikte zwischen dem Fürstentum Olar und den Polarnomaden eskalieren. Östlich des Fürstentums reicht Kairru-Talun bis ans Weltendach heran, wobei sich nur wenige Sippen soweit in den Norden halten. In diesem Land erstreckt sich der Voussarinrücken, dessen Hügel besonders reich an Eisenerz sind, das von den Polarnomaden als einziges im ganzen Land genutzt wird. Auch wenn die Landstriche östlich des Rückens nominell noch zur Cituqayatundra zählen, werden diese aufgrund der Nähe zum Reich der Schneekönigin seit langer Zeit gemieden. Im Osten der Cituqayatundra greift das Östliche Polarmeer weit in das Land hinein und bildet die Nariqtuk-Fjorde, wo sich im Winter das Eis in die salzigen Buchten schiebt und dabei knirschend bricht. Zwischen den Fjorden und auf den Inseln liegen einsame Fischerdörfer, errichtet aus Treibholz und Walknochen, deren Bewohner von Geistern erzählen, die unter dem Eis singen, und von Leuchtfischen, die wie kleine Sterne durch das dunkle Wasser ziehen. Die Inseln der Nariqtuk-Fjorde, welche zur Cituqayatundra gerechnet werden, werden zusammenfassend als Inseln von Tuvaliq bezeichnet und sind von scharfkantigen Felsen geprägt, auf denen Seevögel nisten und Robben ihre Jungen gebären. Manchmal leuchten die Wellen dort grünlich, wenn das Nordlicht über den Himmel zieht, was als Zeichen gilt, dass die Geister der Tiefe erwachen. Diese Inseln sind im Einzelnen das dicht besiedelte Sikuq, das unbesiedelte Noarvik und die von den östlichsten Sippen der Cituqayatundra bewohnte Nehrung von Qrluinnaq. Die Tierwelt der Cituqayatundra ist allein schon aufgrund von ihren riesigen Ausmaßen vielfältig: Höhlenbären, Höhlenhyänen, Hrimwölfe, Polarfüchse, Säbelzahnkatzen, Schattenwölfe und Schneelöwen jagen Elche, Mammuts, Moschusochsen, Rentiere, Riesenhirsche, Saigaantilopen und Wollnashörner. Die meisten dieser Tiere leben in riesigen Herden, und die Polarnomaden bezeichnen sie als die Ewigen Wanderer, und seit Menschengedenken folgen sie den gleichen Pfaden auf Spuren, die älter sind als jedes Reich der Sterblichen.
Klima und Wetter
Die Cituqayatundra liegt in einer klimatischen Übergangszone zwischen offenem Nordmeer, westlichem Treibeisgürtel und den südlichen Nebel- und Waldlanden. Ihr Klima ist subarktisch, doch nicht von ewiger Erstarrung geprägt, sondern von starken Rhythmen und Gegensätzen. Es ist ein Land, das jedes Jahr neu zwischen Eis und Gras entscheidet. Der Winter dauert lange – sieben, manchmal acht Monate. Er beginnt oft schleichend im späten Herbst, wenn die ersten harten Nachtfröste die Seen mit dünnem Glas überziehen. Bald darauf frieren Flüsse zu, zunächst am Rand, dann in der Mitte, bis sie unter einer dicken, milchigen Decke verschwinden. Die Temperaturen fallen im Binnenland regelmäßig sehr weit unter den Gefrierpunkt, in besonders klaren Nächten noch tiefer. An der Küste ist es etwas milder, doch dort peitschen Stürme über das Land, treiben feinen Schnee in endlosen Schleiern vor sich her und formen Dünen aus Eis. Der Schnee ist meist trocken und pulvrig, vom Wind ständig neu verteilt, sodass selbst vertraute Hügel im Verlauf eines Winters ihr Gesicht verändern können. Das Licht wird knapp. Wochenlang steht die Sonne nur flach über dem Horizont, taucht die Tundra in bläuliche Dämmerung. In klaren Nächten tanzen Polarlichter über Himmel und Seen – grün, manchmal violett durchzogen – und werfen flackernde Schatten über die weiße Weite. Das Frühjahr ist keine sanfte Jahreszeit, sondern eine Phase des Zerbrechens. Das Eis beginnt zu knacken, zu singen, zu bersten. Schneeflächen sacken ein, Flüsse brechen plötzlich auf und reißen Schollen mit sich. Binnen weniger Tage können vertraute Wege unpassierbar werden. Schmelzwasser sammelt sich in Senken, verwandelt Ebenen in flache Seen und macht den Boden weich und tückisch. Zugleich kehrt das Licht mit Macht zurück. Die Tage werden rasch länger, und mit den ersten wärmeren Winden erscheinen Schwärme von Insekten, als hätte die Erde sie in der Kälte verborgen gehalten. Der Sommer ist kurz, aber von überraschender Intensität. Für wenige Wochen scheint die Sonne fast ununterbrochen, und die Tundra explodiert förmlich in Grün. Gräser wachsen schnell, Moose quellen auf, und niedrige Sträucher tragen gleichzeitig Blüten und junge Früchte. Die Temperaturen steigen auf eine fast angenehme Wärme, in windstillen Senken auch höher. Seenplatten glitzern wie Spiegel, und zahllose Vögel bevölkern Ufer und Inseln. Doch selbst im Hochsommer bleibt eine latente Unbeständigkeit: Nebel ziehen von der Küste herein, kalte Westwinde können die Wärme binnen Stunden vertreiben, und gelegentliche Kälteeinbrüche erinnern daran, wie nahe das Eis noch immer ist. Der Herbst ist vielleicht die klarste und stillste Zeit des Jahres. Das Licht wird goldener, die Luft trockener und schärfer. Moose färben sich rötlich, Birken leuchten gelb vor dunklen Nadelhainen. Doch die Schönheit ist flüchtig. Oft fällt der erste Schnee überraschend früh, und binnen weniger Tage kippt die Landschaft wieder ins Weiß. Für Mensch und Tier ist der Herbst eine Zeit intensiver Vorbereitung, denn der Winter kehrt zuverlässig zurück. Zwischen Küste und Binnenland bestehen feine Unterschiede. Die Küstenregionen sind windiger und feuchter, mit häufigen Nebelbänken und etwas milderen Temperaturen. Das Binnenland hingegen kennt größere Schwankungen: kältere Winter, trockenere Luft und stillere, aber tiefere Frostperioden. In den südlichen Waldzonen dämpfen Birken- und Lärchenhaine die Winde, während die offenen Ebenen der zentralen Tundra jedem Wetter ungeschützt ausgesetzt sind. Seit einigen Jahren jedoch bemerken die Bewohner eine Veränderung. Ein kalter, trockener Westwind tritt häufiger auf und bringt frühere Eisbildung sowie kühlere Sommer. Er trägt einen Geruch von Salz und Stein, anders als die gewohnten Gras- und Moorwinde. Älteste sagen, das Klima erinnere sich – als würde das Land selbst auf etwas reagieren, das jenseits des Horizonts geschieht. So ist das Klima der Cituqayatundra kein starres System, sondern ein lebendiger Kreislauf aus Kälte und Aufblühen, aus Dunkelheit und grellem Licht. Wer hier lebt, lebt im Takt der Extreme – und lernt, dass jede Jahreszeit sowohl Prüfung als auch Geschenk ist.
Politik
Es gab und gibt in der Cituqayatundra kein politisches System. Die Stämme und Sippen bleiben meist für sich, versammeln sich nur zu bestimmten Angelegenheiten wie den Sonnenwendfeiern und folgen den Worten ihrer Häuptlinge, ihrer Ältesten und ihrer Schamanen. Manchmal schließen sie sich zu Stammesbünden zusammen, die ein bestimmtes Ziel verfolgen oder sich gegenseitig unterstützen – diese überdauern aber selten mehr als einige Jahre und sind eher zeitlich begrenzte Verbindungen denn dauerhafte Allianzen. Die politische Situation in der Cituqayatundra ist seit einigen Jahren von neuen Spannungen geprägt: Die Mächte des Südens zeigen ein wachsendes Interesse an den Ressourcen des Nordens, klimatische Schwankungen werden stärker und einige Schamanen träumen neuerlich vom Westen. Vor sieben Jahren, im Jahr 1020 AF, begann die Westwindkrise: Zunächst waren es nur Beobachtungen einzelner Jäger, ungewöhnlich frühes Treibeis vor der Küste, ausbleibende Robben, Nordlichter in ungewöhnlichen Farben und ein tiefer, fern rollender Klang im Winter, als würde Eis auf Eis reiben. Dann berichteten mehrere Schamanen in unterschiedlichen Stämmen unabhängig voneinander vom selben Traum. Eine endlose weiße Ebene. Schritte im Schnee. Und etwas, das unter dem Eis atmet. Die Ältesten nannten es zunächst Aberglaube, doch das Wetter wurde unbeständiger. Die Sommer blieben kühler, und einige Seen frieren in den Wintern tiefer zu, als es seit Generationen geschehen ist. Die Westwindkrise führt zu Brüchen zwischen den Polarnomaden: Die Küstenbewohner bemerkten die Veränderungen zuerst, und sie fürchten eine Wiederholung des Sterbens des Westens. Einige wollen dem Eis nach Süden ausweichen, andere sehen im Eis ein Zeichen, sich wieder nach Westen zu orientieren. Die Nomaden im Landesinneren dagegen leiden unter wenigen reichhaltigen Weiden und sich verschiebenden Herdenwanderungen. Allerdings verdächtigen sie die Küstenbewohner, den Westen mit alten Ritualen heraufzubeschwören. Die Waldbewohner zuletzt beobachten vor allem eine Veränderung des Windes, der einen fremden Geruch nach Salz und Metall mit sich trägt. Vor drei Jahren geschah dann etwas Unerwartetes: Ein besonders starker Sturm trieb einen gewaltigen Eisberg an die Nordwestküste der Tundra, und in ihr eingeschlossen waren steinerne Strukturen. Nachdem entsprechende Gerüchte die Bewohner von Panniqvik erreicht hatten, entsandten diese eine Expedition von Polarnomaden und Rittern des Grünen Tals. Was sie fanden, erschütterte Einheimische und Mittelländer gleichermaßen: Mauern, in Stein geritzte Muster und Werkzeuge aus einem leicht magischen, vollkommen rostfreien Metall. Im Eisberg eingeschlossen war eine ganze Stadt – und alles, was sie gefunden hatten, ähnelte unverkennbar den Kulturtechniken der Polarnomaden. Einige der zurückgekehrten Expeditionsteilnehmer veränderten sich. Sie träumten vom gleichen Ort, sie hörten ein rhythmisches Trommeln unter dem Boden und einige behaupteten, unter dem Ewigen Eis befänden sich die Hallen einer uralten Zivilisation. Vor einem Jahr verschwand dann eine zweite Expedition vollständig, und seit diesem Winter berichten die Küstenbewohner von ungewöhnlichen Vorgängen: Lichtern am Horizont, wo keine Sterne sein sollten, dunkle Formen zwischen den Eisfeldern und Spuren im Schnee, die zu keinem bekannten Tier passen wollen und die ebenso abrupt beginnen wie sie enden. Die Cituqayatundra steht am Wendepunkt, und es scheint ebenso wahrscheinlich, dass sich die Stämme zurückziehen, sich alte Fehden neu entzünden und der Süden die Schwäche ausnutzt, oder dass ein neuer Stammesbund entsteht, noch größer und stärker als der Winterbund. Doch das erfordert Einigkeit über die Frage: Ist das Eis ein Feind? Oder ein Zeichen der Rückkehr?
Völker und Kulturen
Läimauja (Ailmorja)
Die Läimauja sind ein Volk der Polarnomaden, deren Angehörige größtenteils in der Mittleren Helchanar in Kairru-Talun und im weiteren Südosten der Cituqayatundra leben. Einige Stämme leben seit der Ära der Großen Winter in den nordöstlichsten Steppen des heutigen Zarenreichs Rusnya, wo sie sich selbst Orochon nennen, während sich die Läimauja im Hohen Norden auch als Ailmorja bezeichnen. Zwar wissen beide Volksgruppen nichts voneinander, doch bilden sie kulturell nach wie vor eindeutig ein einziges Volk. Sowohl Läimauja als auch Ailmorja und Orochon lässt sich mit „Die, die dem Wind folgen“ übersetzen und gibt einen Einblick in ihre Lebensweise. Sie sind kein sesshaftes Volk, aber eben auch keine heimatlosen Wanderer – ihre Heimat ist Bewegung, ein zyklischer Rhythmus aus Sommerweiden, Winterlagern und heiligen Zwischenstationen. Sie leben meist in der offenen Tundra des Binnenlandes, wo die Ebenen weit und die Horizonte ungebrochen sind und der Wind selten ruht.
Kultur
Ihre Gesellschaft ist in Sippenverbände (LR. „Gárrivuotna“, wörtlich: Kreisgemeinschaft) gegliedert, die jeweils mehrere Familien umfassen. Diese sind nicht starr hierarchisch organisiert; Führungsautorität entsteht aus Ansehen, Erfahrung und Weisheit. Wer gut jagt, weitsichtig plant, Streit erfolgreich schlichtet oder die Lieder bewahrt, gewinnt an Einfluss. Besonders hoch geachtet sind die Schamanen (LR. „Vuorruálbmá“) – Sänger, Trommler und Traumdeuter, die alte Überlieferungen in langen, rhythmischen Gesängen weitertragen. Geschichte wird nicht geschrieben, sondern erinnert und jeder gemeinsame Winterabend am Feuer ist zugleich eine Zeit des gemeinsamen Unterrichts. Die Läimauja sind eng mit ihren Rentierherden verbunden. Diese Tiere sind mehr als ihr Besitz, sie sind Gefährten, Lebensgrundlage und spiritueller Spiegel. Man sagt, dass jeder Sippe eine Herdenseele (LR. „Boazovuonna“) innewohnt, eine unsichtbare Verbindung zwischen den Menschen und ihren Tieren. Das Wohl der Tiere entscheidet über das Wohl der Gemeinschaft, und der Jahresverlauf richtet sich nach den Wanderungen der Tiere. Im Frühling ziehen die Läimauja nach Norden auf frische Weiden, im Sommer lagern sie in der Nähe von Flüssen und Seen, im Herbst kehren sie in geschütztere Regionen zurück und im Winter sammeln sie sich in Talsenken, wo Wind und Kälte abgemildert werden. Ihre Behausungen sind transportabel, aus Holzrahmen, Fellbahnen und dicken Stoffen gefertigt. In ihren Winterlagern errichten sie halbfeste Strukturen aus Torf, Holz und Stein, die jedes Jahr wieder instandgesetzt und von Generation zu Generation genutzt werden. Jeder dieser Orte trägt einen Namen und eine Geschichte, entsprechend betritt man ihn nicht ohne Gruß an die Ahnen. Wie alle Völker Polarnomaden hängen die Läimauja der gemeinsamen Religion der Polarnomaden an, und ihre Spiritualität sagt, dass die Welt aus sichtbaren und unsichtbaren Schichten besteht: Jeder Hügel, jeder See und jede auffällige Felsformation besitzen eine Präsenz. Diese ist nicht zwangsläufig freundlich oder feindlich, sie ist einfach dar. Die Aufgabe der Menschen ist es, im Gleichgewicht mit diesen Kräften zu leben. Vor wichtigen Entscheidungen werden Opfergaben wie kleine Schnitzereien, bemalte Knochen und geflochtene Bänder aus Wollfarben dargebracht. Besonders heilig sind runde Hügelkuppen in der offenen Ebene, von denen man aus das Umland weit überblicken. Dort, so heißt es, stehen Himmel und Erde einander am nächsten. Musik und Gesang sind zentraler Bestandteil ihrer Kultur. Die Läimauja kennen einen besonderen Gesangsstil, der weniger erzählt als erinnert. In langen, wiederholenden Tonfolgen werden Landschaften, Tiere oder Menschen besungen, als würde man ihre Essenz hörbar machen. Diese Lieder sind persönlich; sie gehören jemandem, ohne Besitz zu sein. Ein Kind erhält bei seiner Namensgabe ein eigenes Lied, das sein Wesen einfängt und es sein Leben lang erinnert. Trotz ihrer ruhigen und naturverbundenen Lebensweise sind die Läimauja keineswegs schwach oder weltfremd. Sie gelten als zähe Verhandler und entschlossene Verteidiger ihrer Wanderwege und ihrer Lagerstandorte. Fremde werden zunächst mit vorsichtiger Distanz empfangen, doch wer Respekt zeigt, kann Gastfreundschaft erfahren, die tief und ehrlich ist. Sie haben ein starkes Bewusstsein für Freiheit – nicht im Sinne von Gesetzlosigkeit, sondern als Recht, ihren eigenen Rhythmus zu bewahren. Jede Form äußerer Kontrolle, jede dauerhafte Einmischung in ihre Routen oder Herden gilt als Bedrohung ihrer Identität. Konflikte innerhalb der Sippen werden meist durch Rat und Vermittlung gelöst. Öffentliche Demütigung ist verpönt; Ehre zeigt sich in Selbstbeherrschung. Doch wenn die Gemeinschaft bedroht wird, können die Läimauja hart und unerbittlich sein. Ihre Krieger sind leicht bewaffnet, schnell und hervorragend an Gelände und Wetter angepasst. In der aktuellen Westwindkrise sind es vor allem die Läimauja, die die klimatischen Veränderungen unmittelbar spüren. Ihre Weiden verändern sich, ihre Herden reagieren empfindlich auf verschobene Frostgrenzen. Einige ihrer Schamanen sehen im wiederkehrenden Westwind ein Echo der alten Eisheimat, während andere davor warnen, die uralten Geschichten wörtlich zu nehmen. Innerhalb ihres Volkes wächst eine leise Spannung zwischen jenen, die in der Tundra ihre endgültige Heimat sehen und jenen, die glauben, dass das Volk des Windes nie wirklich ankommen darf. Die Läimauja sind weder reine Bewahrer noch rastlose Sucher, sie sind ein Volk des Gleichgewichts zwischen Eis und Gras, zwischen Erinnerung und Gegenwart, zwischen Stille und Gesang. Und wenn ihre Herden im Sommer über offene Ebenen ziehen, begleitet vom gleichmäßigen Klan der Glocken und dem weiten Himmel über sich, scheint es, als würde die Cituqayatundra ihre Bewohner selbst lieben.
Sippen
- Die Árrunvárri sind eine spirituell geprägte Sippe, deren Winterlager nahe des als heilig geltenden Hügels Áilu-Tor liegen. Sie bringen überdurchschnittlich viele Schamanen hervor und gelten als besonders traditionsbewusst. In der Westwindkrise vertreten sie die Ansicht, dass das Erwachen im Westen eine Prüfung sei und keine bloße Naturerscheinung.
- Die Cievrralja sind eine weit wandernde, aber kleine Sippe mit besonders robusten Herden. Sie sind für ihre Geduld und ihre Ausdauer bekannt. Ihre Jugendlichen gelten als hervorragende Läufer und Spurenleser. Die Cievrralja meiden große Versammlungen und halten sich aus politischen Fragen meist heraus – doch wenn sie Stellung beziehen, dann mit großer Entschlossenheit und klaren Worte.
- Die Gárrasearva sind eine der ältesten und angesehensten Sippen der Läimauja. Sie ziehen in großen und gut organisierten Verbänden, die bekannt sind für ihre außergewöhnlich vitalen Rentierzuchten. Entsprechend gilt ihre Herdenseele als besonders widerstandsfähig. Die Gárrasearva stellen häufig Vermittler bei Streitigkeiten zwischen anderen Sippen. Ihre Lieder sind ruhig und lang, beinahe meditativ. Man sagt, wer in die Reihen der Gárrasearva geboren wird, hört die Zeichen des Windes deutlicher als andere Läimauja.
- Die Láidavárra sind eine Hirtensippe, deren Sommerweiden zu Füßen des Weltendachs liegen und ihre Winterlage am Orvethaal. Sie sind robust, wortkarg und gelten als besonders diszipliniert. Die Sippenmitglieder der Láidavárra werden früh in Verantwortung genommen, sie sehen sich selbst als Bewahrer der alten Wege und stehen Veränderungen meist skeptisch bis ablehnend gegenüber.
- Die Mearrava halten sich häufig an der Küste der Nariqtuk-Fjorde auf, tauschen häufig mit den Küstenbewohnern und Händlern ferner Länder und sprechen mehrere Dialekte. Einige konservative Läimauja werfen ihnen zu viel Offenheit vor. Doch gerade jetzt, wo sich das Klima und die politische Gesamtsituation ändert, erweisen sich ihre Kontakte zunehmend als wertvoll.
- Die Njálmurja sind eine kleine, aber stolze Sippe aus der zentralen Kairru-Talun. Sie sind hervorragende Fährtenleser und bewegen sich schneller als die meisten Gruppen. Die Rentierherden der Njálmurja sind klein und sehr beweglich, viele Angehörige ihrer Sippe sind hervorragende Rentierreiter. Die Njálmurja gelten als unabhängig und misstrauisch gegenüber zu engen Bündnissen – besonders in Zeiten der Westwindkrise.
- Die Ruovdinja leben vor allem im Umland des eisenhaltigen Voussarinrückens. Sie sind geschickte Handwerker und bearbeiten Metall, das sie dann bei anderen Sippen eintauschen. Ihre Klingen und Schnallen sind begehrte Handelsgüter. Manche Läimauja betrachten sie mit gemischten Gefühlen, denn sie scheinen trotz ihrer nördlichen Heimat den südländischen Kulturen zu nahe zu stehen. Doch gerade in Krisenzeiten sind ihre Werkzeuge und Waffen unverzichtbar.
- Die Sávunja verbringen ihre Winter meist in der Panyulliktaiga. Sie sind bekannt für ihre kunstvollen Holzschnitzereien und ihre verzierten Trommeln. Ihre Schamanen gelten als besonders stark in der Traumdeutung und manche behaupten, die Sávunja seien die ersten gewesen, die vom „Atem unter dem Eis“ berichteten.
- Die Vuorjaláhka ist eine Sippe der offenen Hochebenen. Sie ziehen über besonders windreiche Regionen und sind bekannt für ihre Fähigkeit, Wetterumschwünge früh zu erkennen. Ihre Zelte stehen tiefer und ihre Konstruktionen sind massiver und sturmfester als die anderer Sippen. Die Vuorjaláhka gelten als schweigsam und sehr aufmerksam. Man sagt, sie sprechen wenig – aber wenn sie sprechen, sollte man gut zuhören.
Oronmir
Die Oronmir sind ein Volk der offenen Weite, der scharfen Horizonte und der unruhigen Pfade. Sie leben in den nördlichen, westlichen und zentralen Regionen der Cituqayatundra, dort, wo das Gras niedriger wächst, der Wind beständiger weht und der Himmel oft größer erscheint als die Erde darunter. Für die Oronmir ist die Tundra kein Besitz und kein Territorium im engen Sinn, sondern ein lebendiger Raum aus Wegen, Zeichen und Beziehungen. Sie verstehen sich nicht als Herren des Landes, sondern als Teil seiner Bewegung. Stillstand gilt ihnen als Gefahr – nicht nur für den Körper, sondern auch für die Seele.
Kultur
Ihre Gesellschaft ist in kleine, flexible Sippen (OR. „Oronseren“) gegliedert, die aus mehreren Familien bestehen und gemeinsam ziehen. Diese Sippen sind keine starren Einheiten, sondern lebendige Gemeinschaften, die sich im Lauf der Jahre teilen, neuformieren oder zeitweise zusammenschließen. Führung entsteht durch Ansehen und Vertrauen. Eine besonders erfahrene Jägerin, ein weitsichtiger Fährtenleser oder ein begabter Seelenwanderer kann zur Leitfigur werden, doch niemand herrscht dauerhaft oder unangefochten. Entscheidungen werden im Kreis getroffen, oft nach langen Phasen des Schweigens. Für die Oronmir hat das unausgesprochene Wort ebenso viel Gewicht wie das gesprochene Wort. Die Oronmir hängen als Volk der Polarnomaden der gemeinsamen Religion der Polarnomaden an. Im Zentrum ihrer spirituellen Welt steht eine vielschichtige Vorstellung von der Seele (OR. „Vaora“). Sie glauben, dass jedes Wesen – Mensch wie Tier – aus mehreren Seelenschichten besteht. Da ist die Atemseele (OR. „Vaorlen“), die mit Wind und Kälte verbunden ist und den Körper belebt. Da ist die Spurenseele (OR. „Vorena“), die im Schnee, in der Erinnerung und im Lied der Gemeinschaft fortbesteht. Und da ist die Traumseele (OR. „Voarnir“), die sich im Schlaf vom Körper löst und entlang unsichtbarer Pfade zwischen dieser Welt und der Anderswelt (OR. „Nirvaor“) wandert. Diese Vorstellung prägt ihren Umgang mit der Natur. Jagd ist für die Oronmir niemals bloß Nahrungsbeschaffung, sondern ein heiliger Austausch. Vor einer Jagd wird das Tier im Geist angerufen, nach der Jagd gedankt. Knochen werden sorgfältig behandelt, damit die Spurenseele des Tieres ihren Weg zurück in den Kreislauf findet und eines Tages wieder Gestalt annehmen kann. Obwohl auch die Oronmir mit Rentieren leben, ist ihre spirituelle Identität nicht ausschließlich an die Herde gebunden. Viele Sippen fühlen sich einem Leittiergeist (OR. „Voramir“) verbunden – einem Eiswolf, einem Polarfuchs, einem großen Hirsch oder einem Raben. Dieser Geist ist kein Gott, sondern eher ein Ahnenführer oder Spiegel des eigenen Wesens. Man erzählt sich, dass in uralten Zeiten Mensch und Tier dieselbe Sprache gesprochen hätten, und manche Schamanen behaupten, sie könnten diese Sprache im Traum noch hören. Der Schamanismus der Oronmir ist intensiv und oft ekstatisch. Ihre Seelenwanderer (OR. „Vaorvakar“) – Männer wie Frauen – geraten durch Trommelschläge, rhythmisches Atmen und heulende Gesänge in Trance. Sie reisen entlang der Weißen Pfade (OR. „Vorenir“), unsichtbarer Linien zwischen den Welten, und suchen Rat bei Tiergeistern oder Ahnen. Ihre Visionen gelten als ernstzunehmende Wegweiser, doch auch sie sind nicht unfehlbar. Ein Schamane berät, warnt oder deutet – aber er befiehlt nicht. Wer seine Worte hört, tut es aus Vertrauen, nicht aus Zwang. Die Lebensweise der Oronmir ist von Mobilität geprägt. Ihre Zelte sind leicht und rasch abzubauen, ihre Lager selten von Dauer. Im Sommer verteilen sich größere Gruppen in kleinere Jagdgemeinschaften, im Winter rücken sie enger zusammen und teilen Vorräte, Geschichten und Lieder. Kinder lernen früh, Spuren zu lesen, Windrichtungen zu deuten und Schneeverwehungen einzuschätzen. Selbstständigkeit wird geschätzt, doch niemals auf Kosten der Gemeinschaft. Ein Oronmir mag allein wandern können, aber er weiß, dass seine Spur ohne andere bedeutungslos wäre. Gegenüber anderen Völkern der Cituqayatundra zeigen sich die Oronmir wachsam und zurückhaltend. Mit den Läimauja verbindet sie gegenseitiger Respekt, doch sie betrachten deren stärkere Bindung an feste Herden mit einer Mischung aus Verständnis und Skepsis. Küstenvölker erscheinen ihnen fremder; das Meer gilt ihnen als unruhiges, kaum berechenbares Wesen. Südliche Händler werden geduldet, solange sie die Wege und Rituale respektieren. Metall und fremde Güter finden ihren Platz, doch sie dürfen nicht zur Grundlage der Identität werden. In Konflikten setzen die Oronmir auf Bewegung und Geländekenntnis. Offene Schlachten sind selten und werden vermieden, wenn es möglich ist. Ehre zeigt sich für sie nicht im brutalen Sieg, sondern im maßvollen Handeln. Grausamkeit würde die eigene Spurenseele beschädigen und damit die Gemeinschaft schwächen. Blutfehden kommen vor, doch meist bemühen sich die Seelenwanderer um Vermittlung, bevor ein Streit außer Kontrolle gerät. In der gegenwärtigen Westwindkrise sind es die Oronmir, die die Veränderungen vielleicht am tiefsten spüren. Ihre Schamanen berichten von gestörten Traumwegen und von einer Kälte, die nicht nur körperlich, sondern geistig ist. Manche sehen im Westen eine gebrochene Spur, andere ein altes Wesen unter dem Eis, das sich regt. Innerhalb des Volkes wächst eine Spannung zwischen jenen, die im Unbekannten eine Herausforderung sehen, und jenen, die um das fragile Gleichgewicht fürchten. Doch unabhängig von diesen Meinungsverschiedenheiten bleibt ihr Grundsatz bestehen: Jede Spur hat Bedeutung, und selbst die älteste Fährte kann eines Tages wieder sichtbar werden. So sind die Oronmir kein lautes, dominantes Volk. Sie sind wachsam, geduldig und tief mit der Weite verbunden. Wenn das Polarlicht über der Tundra flackert, erheben sich ihre Stimmen in langen, klagenden Gesängen, die an das Heulen eines Wolfes erinnern. Nicht aus Trauer, sondern als Antwort auf den Wind – und als Zeichen dafür, dass ihre Atemseelen noch immer im Einklang mit der Welt schwingen.
Sippen
- Die Kerenvak sind wortgewandt, aufmerksam und hervorragende Geschichtenträger. Ihr Voramir ist ein Rabe, der nicht nur Beobachter, sondern auch Trickser ist. Diese Sippe pflegt enge Kontakte zu anderen Oronseren und gilt als Vermittlerin bei Konflikten. Manche werfen ihnen vor, zu viel zu wissen – und zu wenig preiszugeben. Ihre Vaorvakar wandern oft weit, und ihre Träume sind voller Zeichen.
- Die Korvaanir sind die kühnsten unter den Küstensippen. Sie wagen sich in offenen Booten weiter aufs Meer hinaus, besonders im kurzen Sommer. Ihr Voramir ist kein einzelnes Tier, sondern der Geist eines gewaltigen Wals, den sie Morvaor nennen – „Der, der unter allem geht“. Waljagd ist für sie kein regelmäßiger Akt, sondern ein seltenes, beinahe heiliges Ereignis. Vor einer Jagd versammelt sich die gesamte Sippe, und ein Vaorvakar bittet in Nirvaor um Einverständnis. Scheitert die Jagd, wird das als Zeichen verstanden, dass der Morvaor sich verweigert. Seit einigen Jahren berichten ihre Seelenwanderer, dass der Walgeist tiefer schwimmt als zuvor – als würde er etwas im Westen meiden.
- Die Neremvak leben an Flussmündungen und geschützten Buchten. Sie sind geschickte Fischer und Meister im Bau von leichten, flexiblen Booten aus Treibholz und Tierhaut. Ihr Voramir ist ein silbrig schimmernder Küstenlachs, dessen Geist als schnell und entschlossen gilt. Diese Sippe ist besonders anpassungsfähig. Sie folgen nicht nur den Herden, sondern auch den Fischzügen und saisonalen Strömungen. Ihr Gesang ist rhythmischer als der anderer Oronmir, fast wie das Schlagen von Wellen gegen Eis. In der aktuellen Krise beobachten sie, dass Fischzüge ausbleiben oder unregelmäßig werden. Ihre Vaorvakar berichten von Weißen Pfaden, die sich unter Wasser fortsetzen – etwas, das früher kaum vorkam.
- Die Nerovaar zieht bevorzugt entlang von Seenplatten und Moorlandschaften. Ihr Voramir ist ein langbeiniger Kranich, der im Traum über Wasserflächen schreitet. Die Sippe ist stark schamanisch geprägt und stellt ungewöhnlich viele Vaorvakar. Mehrere ihrer Seelenwanderer berichten von gestörten Weißen Pfaden im Westen – ihre Warnungen werden inzwischen ernst genommen.
- Die Orvengir sind wortkarge, entschlossene Sippe aus den kälteren Nordregionen. Ihr Voramir ist ein großer Eisbär – kein aggressives Wesen, sondern ein ruhender Wächter. Die Orvengir gelten als zurückgezogen, fast isoliert. Doch in den letzten Wintern haben sie begonnen, ihre Winterlager weiter südlich aufzuschlagen – ein stilles, aber deutliches Zeichen, dass selbst sie die Veränderung spüren.
- Die Ravormir gelten als wachsam, ausdauernd und stolz. Ihr Voramir ist ein großer Eiswolf mit einem gespaltenen Ohr, der in den Träumen ihrer Vaorvakar oft schweigend vorausgeht. Sie ziehen weit durch die nördlichen Ebenen und sind bekannt für ihre Disziplin und ihre Fähigkeit, selbst in Schneestürmen Orientierung zu bewahren. In der Westwindkrise berichten ihre Seelenwanderer, dass der Wolfsgeist seltener erscheint – ein beunruhigendes Zeichen für eine Sippe, die ihre Identität aus klarer Führung bezieht.
- Die Sivorim leben entlang flacher Küstenabschnitte zum Westlichen Polarmeer, wo sich im Winter stabile Eiskanten bilden. Ihr Alltag folgt dem Rhythmus der Robbenzüge. Ihre Lager sind halb in Dünen und halb in niedrige Küstenhügel gebaut, um Schutz vor Sturm und Spritzwasser zu bieten. Ihr Voramir ist eine große, graue Robbe mit milchig weißen Augen – kein aggressiver Geist, sondern ein geduldiger Atemhalter. Die Sivorim glauben, dass ihre eigene Vaorlen im Einklang mit der Robbe stehen muss: ruhig, kontrolliert, wachsam. Kinder lernen früh, regungslos zu warten. In der Westwindkrise bemerken sie als Erste die Veränderungen im Eis. Die Eiskanten verschieben sich, Atemlöcher erscheinen an ungewohnten Stellen. Einige ihrer Jäger berichten von „zu glattem Eis“, das sich falsch anfühlt – als läge darunter mehr als nur Wasser.
- Die Talrenor sind eine ruhige, geduldige Sippe mit besonders starken Rentierzuchten. Ihr Voramir ist ein mächtiger Hirsch, dessen Geweih sich im Traum wie ein Wald aus Licht verzweigt. Sie sind Hüter alter Rastplätze und kennen viele Ahnenpfade. In der Krise halten sie sich zurück und beobachten – überzeugt, dass Hast die Spur verwischt.
- Die Vaskorim wechseln häufig ihre Routen und sind Meister der Täuschung im Gelände. Ihr Voramir ist ein Schneefuchs, der in Nirvaor oft zwischen den Pfaden springt. Einige jüngere Mitglieder drängen darauf, den Westen aktiv zu erkunden – was innerhalb der Sippe zu Spannungen führt.
Schneegoblins
Bereits wenige Generationen, nachdem die flüchtenden Goblins das ennorische Festland erreicht hatten, hatten sie sich bis in den Hohen Norden ausgebreitet. Aufgrund verschiedenster politischer Umwälzungen – darunter der Besiedlung des Nebellands durch Menschen und der Bau der Wintermauer – wurden diese Goblins von den südlicheren Populationen getrennt, und es entwickelte sich aus ihnen eine eigenständige Kultur samt umfangreicher körperlicher Anpassungen an ihr harsches Umfeld. Die unter diesen Umständen entstandenen Schneegoblins sind beinahe überall im Hohen Norden zu finden, einzig die Eiswüsten und Gebirge sowie Küstenregionen werden von ihnen gemieden. Ihr Siedlungsschwerpunkt liegt allerdings weiterhin im mittleren Hohen Norden, insbesondere in der Cituqayatundra. Die körperlichen Proportionen der Schneegoblins entsprechend weitgehend denen ihrer Verwandten aus dem Süden, allerdings sind sie von leicht stämmigeren Körperbau. Sie tragen wesentlich dichteres Körperhaar, dass sie vor der Kälte schützt und im Jahresverlauf von einem sommerlichen Graubraun bis zu einem reinen Weiß im Winter wechselt. Gruppen, die jenseits der Schneegrenze leben, haben das ganze Jahr über weißes Fell. Auch die Haut der Schneegoblins ist viel heller als bei gewöhnlichen Goblins, wohingegen ihre Augen von einem stumpfen Blauton sind. Selten werden gelb- oder grünäugige Kinder geboren. Besucher, die nicht mit dem Umgang mit Schneegoblins vertraut sind, beschreiben ihre Augen oft als unangenehm stechend. Manche Stämme ihres Volkes suchen, ähnlich wie die Goblins weiter im Süden, die Nähe zu menschlichen Siedlungen, um sich dort mit Diebstahl oder einfachsten Hilfstätigkeiten durchzuschlagen. Diese sind aber in der absoluten Minderheit und werden vom Gros ihres Volkes als Sonderlinge betrachtet. Die meisten Stämme leben in den Wäldern und Tundren, fernab der großen menschlichen Siedlungen, wo sie sich als Jäger und Sammler ernähren und anderen Kulturschaffenden soweit es geht aus dem Weg gehen. Hin und wieder nehmen sie allerdings verlorene Seelen wie verzweifelte Wanderer und verirrte Kinder in ihren Stamm auf, und diese verbringen dann oft ihr Leben als vollwertiges Stammesmitglied bei den erstaunlich herzlichen Goblins. Die Stammesbande der Schneegoblins sind für sie von allerhöchster Bedeutung. Sie werden von einem männlichen Häuptling angeführt, die wahre Macht liegt jedoch stets in den Händen der weiblichen Schamanin. Je nach den zur Verfügung stehenden Ressourcen leben sie in Eis- oder Felshöhlen, in kleinen Grubenhäusern, in Iglus oder in schnell aufzubauenden Zelten aus gesammelten Knochen und Fellen. Einigen Stämmen ist es gelungen, eine kleine Herde der etwa bisongroßen Zwergmammuts oder von Moschusochsen zu zähmen, sodass sie sich von ihnen ernähren können. Die etwas mehr an Menschen gewohnten Stämme verdingen sich hin und wieder als Boten oder Karawanenführer durch ihre Heimatregion. Die Schneegoblins verehren dieselben Gottheiten und Geister wie ihre Verwandten im Süden.
Die Cituqayatundra ist – entgegen ihres Rufes in ennorischen Gefilden – ein Ort des blühenden Lebens. Neben diesen drei Kulturen, welche die klare Bevölkerungsmehrheit bilden, gibt es zahlreiche Minderheiten, die diese Gegend in weitaus geringeren Zahlen als ihre Heimat betrachten. Traditionell leben hier einzelne Familien der Hügelriesen, die kleinere Mammutherden hüten, Sippen der Eiselfen, die ihre Kristallpaläste schon vor Jahrhunderten verlassen haben, kleine Stämme der Schneeorks, die hier jagen und anderen Kulturschaffenden meist aus dem Weg gehen, Vagarr, die nach ihrem Auszug aus den Schwarzen Wäldern hier den Frostpelzclan und den Schneeheulerclan, boshafte Ragana in entlegenen Wäldern und Hütten sowie Waldschratte in den Wäldern, Bergschratte, Höhlenschratte und Steinschratte in den Bergen, Vulkanschratte an mindestens einem der Gebirge und Wühlschratte in den Ebenen. In besonders kalten und langen Wintern kommen aus dem Weltendach und dem Ewigen Eis auch Eisriesen, Schneetrolle, Schneeschratte, Yhetis und Zwerge in südlichere Gefilde. Seit einigen Jahrzehnten kommen auch verstärkt Menschen aus Ennor in die Cituqayatundra, insbesondere die Mittelländer der Gesellschaft der Ritter des Grünen Tals und, seit knapp fünf Jahren, auch Vertreter der Estnovischen Hanse und Entdecker aus dem Königreich Vesbaria-Zanovien. Auch wenn sie stets behaupten würden, dass ihre Motive edelmütig sind, so geht es doch am Ende um die Sicherung von Ressourcen und die Erschließung neuer Siedlungsräume für ihre Nationen.
Städte und wichtige Siedlungen
Tullunaq
Dort, wo der Njaluk in den Sikuinnaq strömt, befindet sich mit Tullunaq das zeremonielle Zentrum der Cituqayatundra. Für viele Polarnomaden, die ein Leben fernab der Stadt führen, ist sie vor allem laut, übelriechend und schmutzig – für die Sippen in der Umgebung allerdings ein Denkmal aus Holz, Stein und Feuer. Tullunaq gehört zu den ältesten dauerhaft bewohnten Siedlungen der Region, und in ihrem Zentrum befindet sich ein Tempel aus grauem Stein. Dieses Gebäude fanden bereits die ersten Siedler vor, und niemand weiß genau, wer ihn errichtet hat – die Schamanen berichten, dass er von den rätselhaften Ersten Menschen gebaut wurde, die Beleagand nach Osten verließen. Im Tempel brennen fünf ewige Flammen, jede in einem großen und ausgesprochen kunstvoll gestalteten Kamin. Vier der Feuer stehen für die Himmelsrichtungen, das fünfte Feuer für die jenseitige Welt. Jede Flamme wird von Holz aus einem anderen Hain gespeist, denn der Brauch verlangt, dass in keinem Kamin gleichzeitig Holz desselben Waldes brennen darf. Die Schamanen des Tempels der Ersten Menschen in Tullunaq wachen mit rußgeschwärzten Gesichtern über die Feuer und lehren, dass derjenige, der das Gleichgewicht der Flammen stört, in Gefahr läuft, das Land selbst zu erzürnen. Seit dem Beginn der Westwindkrise brennt das Feuer des Westens zunehmend unruhig und verschlingt wesentlich mehr Holz als die anderen vier Flammen. Rund um den Tempel stehen Holzhäuser mit geschnitzten Giebeln, die nach Harz, Rauch, Torf und salz riechen. Hier leben vor allem Handwerker, Hirten und Kräuterkundige, die aus der ganzen Cituqayatundra nach Tullunaq kommen, um Schutz und Rat zu suchen.
Anquinaq
Am nördlichen Eingang des Njardfjords liegt Anguinaq, eine kleine Hafenstadt. Hier, inmitten der Nariqtuk-Fjorde, zieht sich das Eis nur wenige Wochen im Jahr vollständig zurück und macht die Passage damit sicher. Trotzdem legen hier regelmäßig Schiffe an – die schmalen Boote mit doppeltem Bug, wie sie von den Polarnomaden und den Händlern aus Olar genutzt werden. Anguinaq ist kein schöner Ort, dafür aber ein umso lebendiger. Ein Gewirr aus Holzpfählen, Fässern, Schlitten und Rauch. Hier treffen sich Nomaden, Händler, Fischer und Abenteurer. Man sagt, in Anguinaq könne man alles finden – Pelze, Mammutelfenbein, Bernstein, Drachenzähne – wenn nur bereit ist, im Sturm zu feilschen. Wenn die Winterstürme kommen, dann liegt Anguinaq fast vollständig unter Schnee und Eis, und nur die Schiffsmasten ragen wie kahle Bäume aus der weißen Weite. Dann leben die Menschen in ihren verschütteten Häusern und graben Tunnel und Zugänge in Schnee und Eis, bis das Frühjahr die Bucht wieder öffnet.
Illiniqtuq
Am von vielen Polarnomaden als heilig betrachteten Hügel Vuonja in der Silmaqraun-Ebene liegt das ausschließlich von Schamanen bewohnte Ilinniqtuq, welches von Gaben der im Umland lebenden Sippen lebt. Hier werden neue Schamanen ausgebildet, Geisteraustreibungen vorgenommen und Überlieferungen weitergegeben werden. Seit einigen Jahrzehnten steht Ilinniqtuq in einer erbitterten Konkurrenz zu Tullunaq, denn sie kritisieren den Kult um den Tempel der Ersten Menschen und betrachten ihn als gefährliche Irrlehre. Unter den hiesigen Schamanen gibt es einige, die die Entsendung einer Erkundungsmission in den alten Westen befürworten.
Kangiqllak
Zwischen dem südlichen Ufer des Sikuinnaq und der Küste der Liathmarabucht liegt Kangiqllak, welche eine Art permanentes Winterlager an einer Reihe von heißen Quellen darstellt. Seit einigen Jahrzehnten ist sie dauerhaft bewohnt, da Schwangere, Mütter mit kleinen Kindern, Kranke und Alte sich hier ganzjährig aufhalten dürfen – bis sie bereit sind, wieder mit der Sippe weiterzuziehen oder aber bis sie sterben.
Panniqvik
Nahe der Mündung des Skarn liegt das größere Dorf Panniqvik, welches größtenteils von Fischern, Walfängern und Robbenjägern bewohnt wird. Es spielte bei dem Beginn der Westwindkrise eine größere Rolle.
Sillaqvik
Das größere Dorf Sillaqvik liegt auf der Insel Sikuq in den Nariqtuk-Fjorden, welche für ihre hervorragenden Walfänger bekannt ist. Es ist die östlichste permanent bewohnte Siedlung der Cituqayatundra.
Uluriak
Am der Küste von Qilertaaq zum Westlichen Polarmeer liegt mit Uluriak die größte Stadt der Cituqayatundra, welche als Perle des Nordens gilt und gewissermaßen eine Art von Stadtstaat darstellt. Erbaut wurde die Stadt ursprünglich an einem natürlichen Hafenbecken zwischen zwei Landzungen, die inzwischen vollständig bebaut sind. Vor allem im Herbst und im Winter ist Uluriak von einem außergewöhnlich zähen und dichten Nebel eingehüllt, der auf das Gemüt der Bewohner drückt. Im Hinterland der Stadt bauen die Menschen – vor allem eingewanderte Mittelländer der Ritterschaft vom Grünen Tal – kälteresistentes Getreide und Rüben an, die bei der Ernährung der großen Bevölkerung helfen. Ansonsten spielen die reichhaltigen Fischgründe eine bedeutende Rolle bei der Versorgung der Menschen, Walfang ist allerdings aufgrund eines Tabus lokaler Polarnomadensippen verboten. Der Handel ist für Uluriak von äußerster Wichtigkeit. Inzwischen werden Uluriak und Olar als die nördlichsten Vorposten ennorischer Zivilisation betrachtet, da die Handelsnetzwerke vom Austausch polaren Edelhölzern, Tran, Bernstein und Pelzen gegen Korn, Wein, Metalle und andere Luxusgüter leben.
Uqsuuraq
Das größere Dorf Uqsuuraq liegt am Nordufer der Sikuinnaq auf der Höhe der Seenplatte von Piqruutaq. Mit dem wachsenden Verkehr auf dem großen Strom ist die Einwohnerzahl gewachsen, und die Menschen hier profitieren von den Flussschiffern.
Uqvarmiut
Das größere Dorf Uqvarmiut liegt an der Liathmarabucht und ist der Stützpunkt für alle Fischer, Walfänger und Robbenjäger der Polarnomaden entlang der Küste des Wintermeers.
